Chemnitz sucht den nächsten Superbeigeordneten

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Chemnitz sucht die Superbürgermeister/innen

Anfang Mai erfolgte die Ausschreibung zur/zum "Beigeordneten für Bildung, Jugend, Soziales, Kultur und Sport". Beigeordnete/r ist Amtssprech für Bürgermeister/in, die jeweils "Dezernate" führen. Der glücklose Führungsstil und ein Streit mit der Oberbürgermeisterin war Amtsinhaber Philipp Rochold zum Verhängnis geworden - so schlimm, dass er nun bis zum Ende seiner Amtszeit krank gemeldet ist. Seitdem haben die anderen drei Beigeordneten die ganze Arbeit mit auf dem Tisch, was bei einer neuerdings dynamisch wachsenden Großstadt mit Schulhaus- und Kita-Neubauten, Flüchtlingsintegration und der Neugestaltung der Innenstadt sicher kein Zuckerschlecken ist.

Nun hat Beigeordneter Schulze eine merkwürdige Stellenanzeige für den neuen Amtskollegen formuliert, die wohl auf alle Probleme hinweisen soll, die es derzeit im Dezernat 5 zu lösen gilt. Da wissen Bewerber gleich, wo es klemmt.

https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/rathaus/stadtverwaltung-als-arbeitgeber/beigeordneter_d5.pdf

Bewerbungen waren innerhalb von 4 Wochen abzuliefern, eine breite Streuung erfolgte nicht. Das deutet irgendwie darauf hin, dass Bewerbungen nicht wirklich gewünscht sind, weil der neue Beigeordnete schon feststeht? Nachdem die SPD mit Beigeordnetem Schulze (Dezernat 1 Personal/Finanzen/Orga), die Grünen mit Beigeordnetem Stötzer (Dezernat 6 Stadtentwicklung/Bau) und die LINKE mit Beigeordnetem Runkel (Dezernat 3 Tierpark/Recht/Sicherheit/Umweltschutz) ihre Kandidaten beigesteuert haben, wäre nun laut ungeschriebenem Proporz die CDU am Zug. Meine Prognose: The Winner is a CDU-Stadtrat. Dieser ist sicher nach Sichtung aller Bewerbungen am besten geeignet. Sorry und Tschüß für alle anderen Alibi-Kandidaten.

Ob man als einzelner Superbeigeordneter für Bildung, Jugend, Soziales, Kultur und Sport wirklich den Anforderungen aller Themen gleichzeitig gerecht werden kann, ist zu bezweifeln. Es gab auch schon mal wesentlich mehr Beigeordnete, worauf die Lücken bei der Nummerierung der Dezernate hindeuten. Irgendwann wurde das eingedampft, vielleicht im Rahmen der Schrumpfungsbemühungen, Sparkonzepten oder zur Machtkonzentration. Ich weiß es nicht. Jedenfalls scheint mir das in Zeiten einer prosperierenden Stadt zu wenig und ein bisschen breitere Kompetenz auf Bürgermeisterebene ist sicher nicht schädlich.

Die Stadt Dresden leistet sich jedenfalls 7 Beigeordnete. Leipzig ebenfalls 7 und Magdeburg 6.

Eine angehende Kulturhauptstadt braucht meines Erachtens eine/n Kultur- und Tourismusbürgermeister/in, die/der sich nicht noch um vier andere Themen kümmern muss.

Eine Stadt, deren frei verwendbare Haupteinnahmequelle die Gewerbesteuer ist, braucht eine/n Beigeordnete/n für Wirtschaft und Arbeit. Um die Wirtschaft kümmert sich nämlich derzeit niemand mit der erforderlichen Kompetenz und Ernsthaftigkeit und hier ist der größte Hebel für sichere Einnahmen in der Zukunft.

Ein modernes Chemnitz braucht schließlich eine/n Beigeordneten für Digitalisierung, die/der sich um Prozessorganisation, Disruption, moderne Verkehrsleitung und automatisierter öffentlicher Nahverkehr, Sharing Economy, digitale Kommunikation, künstliche Intelligenz, Big Data, Open Data usw. kümmert und vielleicht den einen oder anderen Altersabgang durch intelligente Technik ersetzt. Niemand will einen Job, den in anderen Städten bereits Roboter machen und irgendwann findet man keine/n mehr, der altmodischen Papierkram machen will. Außerdem gibt es jetzt schon einen Konkurrenzkampf zwischen den Verwaltungen um die jungen Köpfe, die ebenfalls moderne Arbeit machen wollen.

Für diese drei neuen Beigeordneten könnte man dann ausnahmsweise ernstzunehmende Stellenanzeigen starten.

Ursprünglich auf Facebook am 17.06.2018 veröffentlicht.