Chemnitzer ÖPNV bleibt bei Google unsichtbar
Seit 11 Jahren sind Chemnitzer Busse und Bahnen digital unsichtbar
In Chemnitz wird ja oft und gern beklagt, dass so ein richtiger Anschluss an den Bahnverkehr fehlt und dass jede/r mit dem Auto fährt. Zur Reiseplanung benutzen Reisende eigentlich immer Google Maps. Google Maps ist zudem auf nahezu jedem Smartphone installiert und hat seinen Einzug in Navigationssysteme gefunden. 57 Millionen Deutsche haben eines, wahrscheinlich jeder Reisende aus dem Ausland und jeder zweite Autofahrer nutzt es zur Navigation.
Google Maps kennt allerdings das öffentliche Verkehrsangebot von Chemnitz nicht, weil es der Chemnitzer Verkehrs AG bzw. dem Verkehrsverbund Mittelsachsen seit 2007 zu aufwändig ist, diesem neumodischen Google die Änderungen am Fahrplan mitzuteilen. Da lässt man es lieber gleich ganz und übermittelt seit 11 Jahren einfach gar keine Daten.
Die Folge: Chemnitz ist seit mehr als einem Jahrzehnt digital unsichtbar, was sich direkt auf die Wahl der Verkehrsmittel und die Touristenzahlen in der alten Welt auswirkt. Wenn da nichts hinfährt, lässt man diesen komischen Ort einfach weg. Chemnitzer Autofahrer bekommen beim Navigieren ebenfalls keine Alternativen angeboten, so dass sie weiterhin mit dem Auto fahren. Vielleicht jammern deshalb so viele über schlechte Bus- und Bahnverbindungen. Es gibt sie, aber man weiß es einfach nicht. Wer vom Chemnitzer Rathaus zur Chemnitzer Messe will, der soll laut Google Maps mal schön 45 Minuten zu Fuß laufen.
Auf den Fernverkehr wirkt sich das auch gleich aus. Wer nämlich nicht nur von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof navigiert (die oft gescholtene Deutsche Bahn bekommt das mit den Änderungen schon lange hin), sondern z.B. vom Flughafen Dresden zu Chemnitzer Messe will, der bekommt auch keine Verbindung mit der Deutschen Bahn angezeigt.
Das ist ein Trauerspiel. Vor einem Monat habe ich den Marketingleiter der CVAG erst wieder darauf hingewiesen. Passiert ist nichts. Ratsanfrage zum Marketing der CVAG: Nicht beantwortet. Vielleicht wollen die Aufsichtsräte mal tätig werden? Die Verluste durch digitale Unsichtbarkeit dürften bei mehreren Millionen Euro paar Jahr liegen, die derzeit durch die Gewinne aus hohen Strom- und Fernwärmepreisen querfinanziert werden.
Das Problem hat übrigens auch das Chemnitzer Umland, falls hier Bürgermeister mitlesen, die dem VMS vielleicht mal ein bisschen Druck machen können. Eure Städte und Dörfer scheinen derzeit nur per Auto erreichbar.
Ursprünglich auf Facebook am 17.06.2018 veröffentlicht.