Sportvereine sollen teuren Maßanzug tragen

· Stadtentwicklung & Innenstadt, Stadtwirtschaft & Kreativwirtschaft, Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 419 von 492

#Chemnitz #Stadtrat #Sport #Stadtentwicklung

Die anderen Sportvereine reagieren mit Unverständnis auf den Vorstoß der Oberbürgermeisterin, dass Stadion für 4000-6000 Euro pro Tag in Zukunft nutzen zu können. Im Gegenzug soll der kalkulatorische Tagespreis für den Profifußball von 40.000 Euro auf ein Zehntel vergünstigt werden. Das Problem: Selbst der "günstige Tagespreis" von 4.000 Euro übersteigt das gesamte Jahresbudget manches gemeinnützigen Vereins - eine Erkenntnis, die für die Verwaltung wohl völlig überraschend kommt, wo man sonst mit Millionen jongliert. Offensichtlich hat sich die Oberbürgermeisterin im EU-Beihilferecht verheddert. Auf der einen Seite hat man für 27 Millionen einem Profifußballverein einen teuren Maßanzug geschneidert, der nun 2 Nummern zu groß ist und dessen Kosten von 500.000 Euro für Pflege und Reinigung nun der Allgemeinheit überlassen werden sollen, obwohl die Kostenübernahme durch den Profifußballverein vertraglich auch für die Regionalliga vereinbart war. Das bedingt aber auch, dass die Allgemeinheit daraus auch irgendeinen Nutzen zieht. Sonst gibt es Ärger wegen der ausschließlichen Subvention von Profifußball aus der öffentlichen Kasse. Leider wurde das Stadion als reines Profifußballstadion mit entsprechenden Kostenstrukturen ausgelegt, während das universell und gemeinnützig nutzbare Sportforum weiter vor sich hingammelt. Die Multifunktionsarena im Sportforum hätte seinerzeit 34-35 Millionen gekostet. Dieser Betrag wurde mittlerweile mit der Verteuerung des Baus auf 27 Millionen, der ausgezahlten Erbpacht von 1,2 Millionen, Krediten von 1,4 Millionen sowie Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld ebenfalls erreicht. Mit dem Ergebnis, dass man jetzt ein Stadion hat, was niemand nutzen will und niemand bezahlen kann und ein Sportforum, was sich im desolatem Zustand befindet. Bislang sind übrigens alle Befürchtungen der Kritiker eingetreten, von der Verteuerung des Baus bis hin, dass der Profifußball absteigt. Nur dass zwischendurch paar Millionen in dubiosen Verträgen verschwinden, hat niemand vorhergesagt.

Ursprünglich auf Facebook am 06.06.2018 veröffentlicht.