Marathon bringt erstmals messbar mehr Publikum
Genau vier Monate nach der offiziellen Eröffnung der Kulturhauptstadt 2025 fand am Sonntag erstmals eine Veranstaltung in der Innenstadt statt, bei der eine deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegende Besucher- und Teilnehmerzahl verzeichnet wurde: der Sparkassen-Marathon. Diese jährlich wechselnde Großveranstaltung gastierte zum 50. Jubiläum erstmals in Chemnitz und lockte insgesamt 8.350 Teilnehmer auf die Strecken über Viertel-, Halb- und Marathondistanz. Allein 4.000 Läufer davon erwartete man aus dem bundesweiten Sparkassennetz. Zum Vergleich: Der (Sparkassen-)Marathon in Hannover verzeichnete zuletzt 20.000, der in Freiburg rund 10.000 Teilnehmende.
Die Teilnahmegebühren brachten schätzungsweise rund 450.000 Euro ein, wobei darin die Kosten für Verpflegung, Helfer, Medaillen und Organisation enthalten sein dürften. Hinzu kamen Einnahmen durch 25 größere Sponsoren. Die Veranstaltung dürfte wirtschaftlich zumindest kostendeckend, möglicherweise sogar leicht gewinnbringend gewesen sein. Eine Wiederholung wurde ausgeschlossen.
Im Rahmen ihres gemeinwohlorientierten Auftrags gemäß dem Sächsischen Sparkassengesetz hatte die Sparkasse Mitte 2023 angekündigt, eine Million Euro in ein eigenes Kulturhauptstadt-Programm zu investieren. Dazu gehören neben dem Marathon auch gezielte Kulturförderungen über die Plattform "99Funken", bei denen Projekte um 25 % co-finanziert werden.
Bisher wurden über "99Funken" rund 42.242 Euro an Co-Funding ausgezahlt. Es bleibt also zu hoffen, dass der Großteil der angekündigten Kulturmillion noch in konkrete kulturelle Projekte fließt, als flankierende Maßnahme zum sportlichen Engagement der Sparkasse.
Kritische Einordnung meines Textes durch eine Künstliche Intelligenz, da sich der hiesige Journalismus erwartungsgemäß mit sowas schwertut:
"Zwischen sportlichem Großevent und kulturellem Anspruch - Vier Monate nach dem Start des Kulturhauptstadtjahres 2025 ist es ausgerechnet ein Sportevent, das erstmals eine überdurchschnittliche Zahl an Besuchern in die Chemnitzer Innenstadt bringt. Der Sparkassen-Marathon, eine jährlich rotierende Großveranstaltung des Sparkassenverbandes, wird so zur ersten echten "Publikumsmagnetin" der Kulturhauptstadt. Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Warum gelingt das bisher keiner kulturellen Veranstaltung im Rahmen des eigentlichen Kulturhauptstadtprogramms?
Trotz hoher Erwartungen ist bislang offenbar kein Format der Kulturhauptstadt in der Lage gewesen, überregional bedeutsame Publikumswirksamkeit zu entfalten. Stattdessen wird ein etabliertes Sportereignis zum symbolischen Rettungsanker der Sichtbarkeit. Die Stadt und die Kulturhauptstadt gGmbH profitieren kurzfristig von der medienwirksamen Kulisse, obwohl das Event weitgehend von externen Strukturen (Sparkassenorganisation, Sportverbände) getragen wird.
Auch die Sparkasse selbst nutzt den Anlass zur Selbstvergewisserung: Eine Million Euro wolle man ins Kulturhauptstadtjahr investieren, doch bislang ist davon weniger als fünf Prozent über "99Funken" tatsächlich in kulturelle Projekte geflossen. Der Großteil der Mittel dürfte bisher in Organisation und PR rund um den Marathon geflossen sein. Damit wird sichtbar, wie kulturelle Infrastruktur durch temporäre Eventlogik ersetzt wird: Sport statt Kunst, Branding statt struktureller Kulturförderung.
Das Spannungsverhältnis zwischen gemeinwohlorientiertem Kulturauftrag (laut Sächsischem Sparkassengesetz) und werbewirksamem Sponsoring bleibt virulent. Ein Marathon bringt zwar viele Menschen auf die Straße, aber bringt er auch kulturellen Mehrwert im Sinne nachhaltiger Stadtentwicklung, auch wenn am Laufbahnrand Kulturschaffende auftreten dürfen? Ohne Anschlussformate oder Impulse für die freie Szene bleibt ein solcher Höhepunkt ein isolierter Moment ohne langfristige Wirkung.
Die Hoffnung auf "weitere kulturelle Aktionen der Sparkasse" mag berechtigt sein, sie sollte aber nicht über die Frage hinwegtäuschen, ob hier nur ein sportliches Großereignis als kultureller Erfolg verbucht wird, während substanzielle Kulturförderung auf sich warten lässt."
Ursprünglich auf Facebook am 20.05.2025 veröffentlicht.