Warum das Schauspielhaus mehr ist als Kulisse

· Kultur & Kulturhauptstadt, Denkmalschutz & Bauen · 18 Min. Lesezeit · Artikel 8 von 492

#Chemnitz #Theater #Kultur #Demokratie

Da der Presse offensichtlich die Zeit oder vielleicht auch geeignetes Personal fehlt, sich im Kulturhauptstadttrubel mit der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des gerade besetzten Schauspielhauses auseinanderzusetzen, hier die Basisrecherche, weshalb das Haus nicht nur symbolisch für gesellschaftlichen Wandel und kulturellen Aufbruch steht und im Gegensatz zur Kulturhauptstadtabwicklung nie ein Verwaltungsprojekt war. Viele Chemnitzer erinnern sich bis heute, dass die Friedliche Revolution in Chemnitz spontan im Schauspielhaus gestartet wurde. Am Abend des 7. Oktober 1989 öffnete das Schauspielhaus seine Türen als Forum des freien Wortes, wo das SED-Regime scharf kritisiert wurde. Im voll besetzten Zuschauersaal brach Jubel los, denn zum ersten Mal wurde öffentlich und kollektiv ausgesprochen, was viele dachten.

Aber nun von vorn, Achtung, langer Text: Bereits 1805 gab eine bürgerliche Initiative den Anstoß zur Chemnitzer Theatergeschichte, als engagierte Bürger den Ersten Chemnitzer Theaterverein gründeten. Mangels eigener Bühne richtete man mit begrenzten Mitteln einen Theatersaal im Gasthof Hotel de Saxe (Schützes Hof) ein, der 1806 eröffnet wurde und bis 1828 für Schauspiel und Oper diente. Das wachsende Industriezentrum Chemnitz verlangte bald nach einem größeren Theaterbau. 1836 gründete sich ein Actienverein, der unmittelbar am Stadtkern ein repräsentatives Theater errichtete. Zwei Jahre später war das klassizistische Stadttheater nach Plänen von Johann Traugott Heinig vollendet und wurde 1838 mit Stücken von Ernst Raupach, Friedrich Schiller und Goethe feierlich eröffnet. Der rund 900 Plätze fassende Bau wurde zunächst privat als Actien-Theater betrieben, bis die Stadt Chemnitz das Haus 1862 übernahm und als städtisches Theater weiterführte. Dieses erste Schauspielhaus avancierte schnell zum kulturellen Mittelpunkt der aufstrebenden Industriestadt, ein frühes Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement auch ohne große finanzielle Mittel bedeutende Kulturinstitutionen schaffen konnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieß das alte Theater an seine Grenzen. Chemnitz prosperierte, und unter der langjährigen Direktion von Richard Jesse entstand ein zweites, größeres Theaterhaus. Von 1906 bis 1909 wurde am Theaterplatz ein neues prachtvolles Stadttheater erbaut, entworfen vom Architekten Richard Möbius. Dieses Haus – das heutige Opernhaus – wurde 1909 eröffnet und bot fortan Raum für Opern und musikalische Aufführungen. Das alte Theatergebäude diente weiterhin vor allem dem Schauspiel. Beide Bühnen unterstrichen die gesellschaftliche Bedeutung des Theaters: In der von Fabrikschloten geprägten Stadt schufen sie Orte der Bildung für Bürgertum und Arbeiterschaft gleichermaßen. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs hinterließen tiefe Spuren: Das Opernhaus wurde 1945 schwer beschädigt, das historische Schauspielhaus an der Theaterstraße brannte aus. Während das Opernhaus schon 1951 – nach nur sechs Jahren Wiederaufbau – mit Beethovens Fidelio feierlich erneut den Vorhang hob, blieb die Ruine des alten Schauspielhauses zunächst ungenutzt. 1951 wurde diese Theaterruine im Stadtzentrum schließlich zugunsten einer neuen Verkehrsführung abgetragen, ohne dass ein Ersatzbau in Sicht war. Damit endete ein Kapitel der Chemnitzer Theatergeschichte – jedoch läutete das große bürgerschaftliche Engagement vergangener Zeiten zugleich den Willen ein, das Schauspiel in Chemnitz trotz knappster Mittel wiederzubeleben. Nach Kriegsende 1945 begann das Chemnitzer Theaterleben buchstäblich bei Null – wiederum half bürgerschaftliches Engagement über die ersten Jahre hinweg. Mangels Theaterhaus wich man in einen provisorischen Spielort aus: In den Festsaal eines Altenheims wurde eine bescheidene Bühne eingebaut, um den Theaterbetrieb aufrechtzuerhalten. Dieses Provisorium zeugt vom Improvisationstalent und dem Kulturhunger der Chemnitzer Bevölkerung in schwieriger Zeit. Erst 1969, inzwischen hieß die Stadt Karl-Marx-Stadt, konnte ein neues Schauspielhaus eröffnet werden, entworfen vom Architekten Fritz Schäfer. Der funktionale Neubau an der Zieschestraße, am Rand des Parks der Opfer des Faschismus, war ein typischer DDR-Bau der Ostmoderne: sachlich, pragmatisch und mit begrenzten Ressourcen realisiert. Doch er gab dem Ensemble endlich wieder eine feste Heimstatt für das Sprechtheater. Die folgenden zwei Jahrzehnte prägte Intendant Gerhard Meyer (1966–1990) das Schauspiel künstlerisch, während Hartwig Albiro ab 1971 als Schauspieldirektor eine mutige Handschrift einbrachte. "Hier gab es eine befreiende Nische. Die hätte ich wohl nirgends anders gefunden", erinnerte sich Albiro später über die Atmosphäre in Karl-Marx-Stadt. Abseits der SED-Zentrale Berlin nutzte man den relativen Freiraum, um Stücke mit zeitkritischen Untertönen auf die Bühne zu bringen. Die Chemnitzer Bühne wurde so zum Sprungbrett für große Talente der DDR-Theaterszene. Zahlreiche spätere Stars begannen hier ihre Karriere: Michael Gwisdek, Peter Sodann, Andreas Schmidt-Schaller, Horst Krause oder Jörg Gudzuhn standen in den 1970er-Jahren am Chemnitzer Schauspielhaus gemeinsam auf der Bühne. "Meine 'Räuberbande' ist groß rausgekommen", sagte Albiro schmunzelnd über sein erstes Chemnitzer Ensemble, in dem viele dieser Schauspieler mit Schillers Die Räuber debütierten. Das Theater bewies damit eine bemerkenswerte Vorreiterrolle: Es förderte künstlerische Avantgarde und bot Raum für nonkonforme Stimmen, lange bevor diese offiziell geduldet wurden. Über anspruchsvolle Inszenierungen und klassische Stoffe mit subtiler Aktualisierung (etwa Schillers Freiheitsdramen) regte das Schauspielhaus das Publikum immer wieder zum Nachdenken über Gegenwartsfragen an – ein Ort der kritischen Reflexion im sozialistischen Alltag. Allerdings blieb das Theater stets im Visier der staatlichen Zensur und Kontrolle. Eine besonders dramatische Episode ereignete sich 1976, als das Schauspielhaus an der Zieschestraße plötzlich abbrannte – ausgerechnet in der Nacht vor der Premiere des politisch brisanten Stücks Tinka von Volker Braun. "Nach der Generalprobe eines sehr politischen Stücks – Tinka von Volker Braun – brannte das Schauspielhaus in der Nacht komplett aus", berichtet Albiro über die Katastrophe. Bis heute vermutet er Sabotage hinter dem Brand. Das Stück war der Obrigkeit ein Dorn im Auge, und "nach dem Brand hieß es, die Stasi wollte die Premiere verhindern", so Albiro rückblickend. Dieser Vorfall verdeutlicht den ständigen Balanceakt des Theaters in der DDR: Einerseits wagte man künstlerisch viel und förderte eine kulturelle Avantgarde, andererseits schlug die Staatsmacht hart zurück, wenn rote Linien überschritten wurden. Durch den Brand verlor das Ensemble zunächst seine Spielstätte; bis 1980 musste es in Ausweichquartieren auftreten. Doch die Theaterleute ließen sich nicht entmutigen. Bereits vier Jahre später, im Oktober 1980, wurde das neue Schauspielhaus eröffnet – ein rasch hochgezogener Ersatzbau an gleicher Stelle. Damit erhielt Karl-Marx-Stadt noch rechtzeitig vor dem Ende der DDR wieder ein modernes Schauspielhaus, das trotz aller Widrigkeiten den Ruf genoss, eine der mutigsten Bühnen der Republik zu sein. Hier hatte sich eine kulturelle Avantgarde in Nischen etabliert, die das Publikum erreichte und die lokale Gesellschaft im Stillen veränderte. In der politischen Aufbruchsstimmung des Herbstes 1989 wurde das Chemnitzer Schauspielhaus endgültig zu einem Motor gesellschaftlicher Veränderung. Am 7. Oktober 1989 – dem 40. Republikgeburtstag der DDR – weigerten sich Albiro und sein Team, an den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen. "Im 'Luxor' gab es ein Festwochenende zum 40. Jahrestag der Republik. Das wollten wir nicht mitmachen!", erinnert sich Albiro. Statt Propaganda auf der Bühne zu dulden, plante das Schauspielhaus eine Lesung mit regimekritischen Texten, um ein Zeichen zu setzen. Als die Behörden diese Veranstaltung kurzerhand verboten, entlud sich die aufgestaute Unruhe der Bürger vor dem Theater: Noch am selben Abend strömten Tausende Chemnitzer vor das Kulturhaus Luxor, in dem die Lesung stattfinden sollte. Trotz des Verbots versammelten sich immer mehr Menschen; der Saal war überfüllt, und vor den Türen drängte sich die Menge. Spontan formierte sich aus dem Publikum ein Schweigemarsch durch die Stadt – der erste Demonstrationszug in Chemnitz jener Tage. Die Staatsmacht reagierte nervös: Volkspolizei und Wasserwerfer lösten den friedlichen Protest gewaltsam auf. Doch die Theaterleute und Bürger ließen sich nicht einschüchtern. Noch am selben Abend des 7. Oktober öffnete das Schauspielhaus seine Türen als Forum des freien Wortes. Hartwig Albiro verlas auf der Bühne des Schauspielhauses eine mutige Resolution, die das SED-Regime scharf kritisierte. In dem voll besetzten Zuschauersaal brach daraufhin "ein Sturm der Begeisterung los". Die Menschen jubelten, denn zum ersten Mal wurde öffentlich und kollektiv ausgesprochen, was viele dachten. "Wir haben die Friedliche Revolution in Chemnitz spontan gestartet", sagt Albiro rückblickend über diesen denkwürdigen Tag. Tatsächlich kann der 7. Oktober 1989 als Wendepunkt gelten: Zwei Tage später, am 9. Oktober, folgten auch in Leipzig Massendemonstrationen, und die Friedliche Revolution gewann unwiderruflich an Fahrt. In Chemnitz diente das Schauspielhaus fortan als öffentlicher Ort für Diskussionen und Protest. Theatermitarbeiter, Intendant Meyer und Schauspieldirektor Albiro gehörten zu den Mitinitiatoren der lokalen Bürgerbewegung. Im Theater fanden Foren und Gespräche statt, in denen über Demokratie und die Zukunft der Stadt beraten wurde. Das Chemnitzer Ensemble stellte sich geschlossen auf die Seite der Reformkräfte – ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie ein Stadttheater über die Kunst hinaus direkt in das politische Geschehen eingreifen konnte. Damit erfüllte das Schauspielhaus in der Wendezeit vollends seine Rolle als gesellschaftlicher Motor: Es war nicht nur Bühne künstlerischer Avantgarde, sondern auch Katalysator realer politischer Veränderungen. Die Theaterleute nutzten ihre Glaubwürdigkeit und ihren öffentlichen Raum, um demokratische Prozesse anzustoßen. Viele Chemnitzer erinnern sich bis heute, dass "die Friedliche Revolution in Chemnitz spontan im Schauspielhaus gestartet" wurde – ein Kapitel Stadtgeschichte, das zeigt, welche Kraft von einem engagierten Theater ausgehen kann. Nach der Wiedervereinigung 1990 stand auch das Schauspielhaus Chemnitz vor einem Neuanfang. Die jahrzehntelange Intendanz Gerhard Meyers endete; nun kamen neue künstlerische Leiter, teils aus dem Westen, mit frischen Ideen. Zugleich galt es, das Fünfsparten-Theater Chemnitz (Oper, Philharmonie, Ballett, Schauspiel und Figurentheater) in die Marktwirtschaft zu überführen. Die ehemals staatlichen Bühnen wurden in eine städtische GmbH umgewandelt, was effizientere Strukturen, aber auch wirtschaftlichen Druck mit sich brachte. Umstrukturierungen prägten die 1990er-Jahre: Ensembles wurden neu aufgestellt, Budgets neu verhandelt, und das Theater musste sein Publikum teils neu gewinnen in einer Stadt, die einen erheblichen Bevölkerungsschwund erlebte. Trotzdem blieb das Schauspielhaus eine zentrale kulturelle Institution und knüpfte an seine progressive Tradition an. Neue Intendanten wie Rolf Stiska (1992–2007) und später Enrico Lübbe (2008–2013) führten moderne Regiehandschriften ein. Die künstlerische Ausrichtung erweiterte sich nun vollends frei von Zensur: Klassiker und Weltliteratur standen ebenso auf dem Spielplan wie zeitgenössische und erstmals in Chemnitz gezeigte Stücke. Die Große Bühne präsentierte Werke von Shakespeare bis Woody Allen und bot damit eine enorme Bandbreite. Gleichzeitig suchte man nach neuen Formen: 2011 eröffnete im Ostflügel des Hauses eine neue Kleine Bühne für Ur- und Erstaufführungen, experimentelle Formate und moderne Ästhetiken. Damit knüpfte das Schauspielhaus an seine avantgardistische Vergangenheit an und bot Raum für junge Regisseure und innovative Theaterprojekte. Auch die traditionsreiche Chemnitzer Figurentheater-Sparte fand ab 2011 im Schauspielhaus ihre Heimat und bespielt seither die Kleine Bühne mit Marionetten- und Puppenspiel, was das künstlerische Spektrum nochmals erweiterte. Diese inhaltlichen und räumlichen Neuerungen machten das Haus erneut zu einem Vorreiter: Das Schauspielhaus positionierte sich als Labor für zeitgenössische Theaterformen und als offenes Forum, das verstärkt den Dialog mit der Stadt suchte (z.B. in der Reihe "Nachtschicht" für lokale Künstlerprojekte). So blieb das Theater – jetzt in der demokratischen Gesellschaft – ein Motor für kulturelle Entwicklung und städtischen Diskurs. Gleichzeitig sah sich das Schauspielhaus nach 1990 neuen politischen und finanziellen Herausforderungen gegenüber. In den 2000er-Jahren gerieten viele ostdeutsche Theater in Finanznöte, Chemnitz bildete keine Ausnahme. Dennoch konnte durch umsichtige Kulturpolitik der Bestand gesichert werden – das Haus wurde mehrfach saniert und technisch aufgerüstet. In den Jahren 1988–1992 etwa hatte man bereits das Opernhaus auf den modernsten Stand gebracht; nun standen perspektivisch auch Investitionen ins Schauspielhaus an. Die markante DDR-Architektur des 1980er-Baus – ein würfelförmiger Bühnenturm mit klaren Linien – wurde als Zeugnis der Ostmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Doch 40 Jahre nach seiner Eröffnung zeigte das Gebäude erhebliche bauliche Mängel. 2021 musste der Spielbetrieb im Schauspielhaus eingestellt werden, um eine umfassende Sanierung vorzubereiten. Zunächst waren dafür rund 16 Millionen Euro veranschlagt – finanziert von Stadt, Land und Bund im Hinblick auf Chemnitz' Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025. Allerdings erwiesen sich diese Mittel als zu niedrig: Die Kosten explodierten auf über 34 Millionen Euro, woraufhin die Stadt Chemnitz die begonnene Instandsetzung 2022 vorerst stoppte. Seither steht das Gebäude leer, und Schauspiel- sowie Figurentheater spielen seit 2022 in einer Interimsspielstätte (der "Spinnbau" in einer alten Spinnereifabrik). Diese Hängepartie um das Haus ist selbst zum Politikum geworden: Kulturelle und soziale Herausforderungen treten hier offen zutage. Einerseits ist das Schauspielhaus unverzichtbar für das städtische Kulturleben – andererseits zwingt die angespannte Finanzlage zu schwierigen Prioritäten. Im Jahr 2025, da Chemnitz den Titel Europäische Kulturhauptstadt trägt, rückt das Schauspielhaus stärker denn je ins öffentliche Bewusstsein. "Gerade im Kulturhauptstadtjahr kreisen die Gedanken der Chemnitzer:innen immer wieder um das Schauspielhaus, seine Vergangenheit und seine mögliche Zukunft", berichtet die lokale Presse. Tatsächlich entfacht der Umgang mit diesem Theaterbau eine Debatte darüber, welche Bedeutung Kultur für die Stadt hat. Im Mai 2025 besetzte ein anonymes Aktionsbündnis aus Künstlern, Theatermitarbeitern und Kulturschaffenden friedlich das leerstehende Schauspielhaus, um gegen drohende Kürzungen im Kultur- und Sozialbereich zu protestieren. "Das Schauspielhaus ist unser!", erklärten die Aktivisten und entrollten Banner im Gebäude. In ihrem Manifest mahnten sie: "Das, was wir heute einsparen, kostet uns die Zukunft. Wir müssen uns fragen, wer wir als Stadt eigentlich sein wollen.". Besonders kritisieren sie den Widerspruch, dass "während Chemnitz 2025 europäisch feiert, vor Ort soziale und kulturelle Strukturen abgewickelt werden. Das Schauspielhaus ist Symbol für diese Schieflage.". Dieses deutliche Statement unterstreicht die aktuelle Relevanz des Schauspielhauses: Es steht sinnbildlich für den Kampf um kulturelle Vielfalt und städtische Identität. Politik und Bürgerschaft sind gefordert, eine Lösung für die Zukunft des Hauses zu finden – ob durch eine angepasste Sanierung, einen Teilneubau oder alternative Konzepte. Zugleich planen die Theatermacher bereits neue inhaltliche Konzepte, um das Haus künftig noch stärker als Motor gesellschaftlicher Entwicklung zu nutzen. Das Rathaus gibt sich weiter ratlos: "Ich halte es für eine künstlerische Intervention", meint Matthias Nowak, Pressesprecher des Rathauses, am Sonnabend auf Nachfrage der Freien Presse. "Darum gibt es keinen Grund zum Eingreifen."

Trotz aller Unsicherheiten hat das Schauspielhaus Chemnitz seine Bedeutung nie verloren. Von den Anfängen als bürgerfinanziertes Theaterprojekt, über die mutigen Jahre im Schatten der SED, bis hin zur Bühne der Revolution und den Herausforderungen der Gegenwart – immer wieder fungierte es als kultureller Avantgarde-Ort und als Impulsgeber für gesellschaftlichen Wandel. Sollte in den kommenden Jahren die Sanierung gelingen, wird das Schauspielhaus pünktlich zu seinem halben Jahrhundert im neuen Gewand erstrahlen. Dann kann es seine Rolle als lebendiges Zentrum der Stadtkultur fortsetzen – ganz im Geiste seiner Geschichte: gegründet aus Bürgerengagement, erprobt im Widerstand und bereit für die Zukunft einer Stadt, die 2025 Europas Kulturhauptstadt ist. Denn Chemnitz' Schauspielhaus verkörpert, mehr noch als ein architektonisches Denkmal, den Geist eines Theaters als Motor der Stadtentwicklung, der die Menschen bewegt – gestern, heute und hoffentlich auch morgen.

Quellen: Chemnitzer Stadtgeschichte und Theaterarchive; Zeitzeugenberichte (Hartwig Albiro im Interview); Presseberichte Tag24 und MDR; Wikipedia und Theater der Zeit zur Bau- und Theaterhistorie.

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Ursprünglich auf Facebook am 11.05.2025 veröffentlicht.