Europe Sounds spielt vor acht Menschen

· Kultur & Kulturhauptstadt, Stadtentwicklung & Innenstadt · 3 Min. Lesezeit · Artikel 10 von 492

#Chemnitz #Kulturhauptstadt #Kultur #Innenstadt

"Europe Sounds" am Mittwoch und am Donnerstag war nach der Eröffnung der Kulturhauptstadt im Januar eine weitere Großveranstaltung, für deren Konzeption, Durchführung und Außendarstellung die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 selbst verantwortlich war. Anders als viele andere Programmpunkte, bei denen man auf mühsam über Jahre entwickelte und lokal verankerte Formate zurückgreift, etwa aus freien Trägern, Vereinen, städtischen Töchtern oder Szenestrukturen, handelte es sich hier um ein originäres Produkt der Stadt. Trotz sonnigen Wetters, umfangreichem Programm und zentraler Lage blieb die Veranstaltung weitgehend unbesucht: Zur Primetime gegen 18:15 Uhr standen gerade einmal acht Menschen vor der Bühne, verteilt auf eine ansonsten leere Veranstaltungsfläche. Bei 250.000 Einwohnern und Millionen Besuchern wurden tausende Besucher erwartet. Die riesige Bühne war technisch toll ausgestattet, doch es fehlte jede Form von Atmosphäre oder Beteiligung. Ansonsten wurde improvisiert: Werbebanner waren lieblos an Bauzäunen befestigt, rustikale Holzhütten erinnerten deutlich an Überbleibsel vom Wei(h)n(achts)markt, und der offizielle Merchandise-Container war generisch und das Marketing gestalterisch abschreckend, ohne Bezug zur Stadt, zum Programm oder zum Publikum. Weder die Kulturhauptstadt gGmbH noch bekannte Akteure aus der Chemnitzer Kulturszene oder Politik waren vor Ort sichtbar oder traten in Interaktion mit Besuchern. Damit wurde ein zentrales Format der Europawoche nicht nur schlecht angenommen, sondern dokumentierte auch sichtbar die strukturellen Schwächen der Kulturhauptstadtumsetzung: Es fehlt an lokaler Einbindung, an dramaturgischem Tiefgang, an Aufenthaltsqualität und letztlich an Interesse, Identifikation und Wirkung. Es wirkt weichgespült ohne Ecken und Kanten, man will durch Beliebigkeit alle ansprechen und erreicht letztendlich niemanden. Dies sendet leider ein fatales Zeichen an Kulturschaffende, die sich für ihren Auftritt auf den Weg nach Chemnitz gemacht haben. Jedes Dorffest wäre unter der Woche besser besucht gewesen. Freitag wird vielleicht ein bisschen besser. Voraussichtliche Konsequenz: Weiter so, Kulturhauptstadt. Haushaltssperre für die restliche Kulturszene. Instagram-Posts politischer Empfänge. Schweigen im Stadtrat. Von Mitte Mai bis Mitte Juni werden mit den publikumswirksamen Formaten der untergeordneten Partner nochmal paar Fotos mit vielen Menschen geschossen und dann geht es auch schon die Diskussion, was und wer bleibt.

Ursprünglich auf Facebook am 09.05.2025 veröffentlicht.