AfD entdeckt Kulturmarxismus im Kreativhof

· Kultur & Kulturhauptstadt, Stadtwirtschaft & Kreativwirtschaft, Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 118 von 493

#Chemnitz#AfD#Kreativwirtschaft#Sonnenberg

Der Chemnitzer AfD-Stadtrat Steffen Wegert erläuterte in der gestrigen Stadtratssitzung (O-Ton im Video): "Wenn oft und gern von Kreativwirtschaft gesprochen wird, denke ich meist an kreative Buchführung, diese steht als elegante Umschreibung für die Verschleierung von Unwirtschaftlichkeit, Veruntreuung und Bereicherung. Kultur- und Kreativwirtschaft steht nach unserer Auffassung zufolge, für Arbeitsprozesse, welche auf Dauer auf öffentliche Zuschüsse angewiesen sind und in der freien Wirtschaft nicht existenzfähig wären. Der Beschluss B174/20 zur Etablierung eines Kreativhofes am Sonnenberg ist der Traum eines linksgrünen lebensfremden Kulturmarxismus – ein Alptraum wie wir finden. Unter dem Deckmantel von Innovation und Fortschritt sollen Projekte in Szene gesetzt werden, welche erkennbar weder wirtschaftlich noch innovativ sind."

Nun mag der örtlichen AfD bei der Hassrede entgangen sein, dass die Kultur und Kreativwirtschaft die Branche mit den meisten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen Deutschlands ist und die gleiche Bruttowertschöpfung wie der deutsche Maschinenbau hat. Zur Kultur- und Kreativwirtschaft gehören in Chemnitz zum Beispiel Architekten, Medienunternehmen, Werbeagenturen, Bands, Verlage, private Presse- und Rundfunkunternehmen, Buchhandel, Event- und Bookingagenturen, Musikklubs und Softwareunternehmen, darunter tausende Soloselbstständige.

Ich habe zum Beispiel mit meinem bescheidenen kreativwirtschaftlichen Unternehmen in den letzten 20 Jahren ca. 100 Millionen Euro Umsatz in den Wirtschaftskreislauf des beschaulichen Chemnitz geholt, über die Hälfte an Umsatz-, Gewerbe-, Körperschafts- und Lohn-Steuern in diverse öffentliche Kassen abgeführt und immer um die 50-60 Leute bezahlt, die wiederum hier wohnen und einkaufen. Gestartet wurde an der Uni, wo wirtschaftliche Betätigung damals nicht gern gesehen war und später am TCC, wo es keine anderen Kreativwirtschaftsfirmen gab, mit denen man sich hätte austauschen können. Ich hätte mir so einen "Kreativhof" als Startup-Place und Ort des Austauschs gewünscht, dann wäre einiges schneller gegangen.

Mit diesem Wissen wirken die Aussagen der Chemnitzer AfD-Fraktion verrückt und weltfremd.

Ursprünglich auf Facebook am 18.03.2021 veröffentlicht.