Baustellen, die Google besser kennt
Letzte Woche waren wieder einmal die vielen Baustellen Thema im Chemnitzer Stadtrat. Fünfzehn Minuten beklagt wurde unter anderem die Orientierungslosigkeit der Chemnitzer Autofahrer, wenn wieder einmal eine neue Baustelle auftaucht. Als Lösung wurde mehrheitlich beschlossen, es müsse ein Konzept für eine neue städtische Webseite mit Karte her, welche die Umleitungen für jede Baustelle anzeigt, da die alte Webseite nur die Baustelle und die Karte, aber keine Umleitung zeigt. Die Autofahrer sollen sich vor jeder Fahrt dort informieren können. Während der Fahrt geht ja nicht.
Ich finde Baustellen auch ärgerlich. Seit 2015 gibt es in Chemnitz jedoch einen neuen Baubürgermeister, der seine Arbeit macht und die zehn Jahre Stillstand seiner Vorgängerin mit dem gleichen Personalbestand aufarbeitet und eigentlich noch mehr Personal und nicht mehr Aufgaben braucht. Daneben gibt es mittlerweile rege Bautätigkeit und allerorten werden Straßen aufgerissen, um Häuser wieder an Wasser, Gas und Elektrizität anzuschließen. Also ein positives Zeichen, sieht man mal von der Innenstadtbaustelle ab, wo der achtspurige Ring des städtebaulichen Todes neu zementiert wird.
Die Baustellen sind heute schon tagesaktuell in Google Maps und Apple Maps zu finden und auch moderne Navigationssysteme kennen die Chemnitzer Baustellen und berechnen die schnellste Umleitung (sogar unter Berücksichtigung von Staus in nahezu Echtzeit). Leider wurde das nicht angesprochen, da offensichtlich keiner der anwesenden 49 Stadträte ortsunkundig und modern um eine Baustelle herumnavigiert hat und die Verwaltung selbst nicht mal davon weiß, dass die Daten dort zu finden sind. Auch der Presse, die im Vorfeld breit über das Thema berichtete, fiel dieser nicht ganz unwichtige Umstand bei den Recherchen nicht auf. Digitalisierung passiert bei Bereitstellung als #OpenData eben auch mal ohne großes Zutun der Datenbereitsteller. Das fühlt sich dann irgendwie magisch an.
Immer noch nicht in Google Maps zu finden sind leider die Bahnanbindungen von Chemnitz und die innerstädtischen Verbindungen mit dem öffentlichen Nahverkehr. In Apple Maps ist der innerstädtische Verkehr mittlerweile drin, während von und nach Dresden und Leipzig immer noch der Umweg über die Weltstadt Riesa oder die Benutzung von Bussen empfohlen wird. Das scheint außer wenigen Leuten in der Bürgerschaft in Verwaltung und Politik niemanden zu stören.
Ursprünglich auf Facebook am 23.07.2020 veröffentlicht.