Chemnitz digitalisiert lieber per Fax

· Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 222 von 492

#Chemnitz #Digitalisierung #Verwaltung #Transparenz

Anno 1995 erschien die HTML 2.0-Spezifikation, welche das Absenden von elektronischen Formularen erlaubte.

24 Jahre später, im Jahre 2019 entschloss ich mich deshalb als ungeduldiger sterblicher Mensch, bei der Stattverwaltung Chemnitz anzufragen, wie viele der ca. 400 aufgelisteten und über Formular zugänglichen städtischen Dienstleistungen mittlerweile elektronisch zugänglich sind und warum z.B. die "Abmeldung eines Hundes" per Fax (in Deutschland eingeführt 1979) möglich ist und nicht per E-Mail. Die schriftliche Form mit Unterschrift ist ja nur in ganz wenigen Fällen wirklich rechtlich erforderlich. Ebenso interessierte mich, wie viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer denn schon die elektronischen Funktionen auf den Personalausweis (eingeführt 2010) freischalten ließen, um in den digitalen Genuss der vielfältigen Leistungen zu kommen. In Zukunft könnte man sich ja sogar vorstellen, dass der/die elektronisch vernetzte Bürger*in über einen Videochat (der Fernseh-Sprechdienst wurde am 25. März 1936 für den Publikumsverkehr freigegeben) Kontakt zu einem städtischen Bearbeitenden (beide im digitalen Homeoffice oder Co-Working, Rathaus entfällt) aufnimmt.

Die Antwort vom verantwortlichen Bürgermeister Sven Schulze war (wieder einmal), dass man nicht antworten möge, weil ich als Stadtrat eine solche Frage nicht stellen dürfe und zu viel hinterfrage.

Gestern erschien nun das Gutachten der 100 servicefreundlichsten größten deutschen Städte. Chemnitz landet dort auf Platz 91 von 100 bzw. Platz 55 von 56 bei den Großstädten und trägt damit eine der Schlusslichtlaternen. Dresden auf Platz 36 hat es zumindest geschafft, 100 Dienstleistungen zu elektrifizieren und damit zumindest im 21. Jahrhundert, d.h. 2001 anzukommen. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2020/Gutachten_Staedteranking_Consult.pdf

Nach der Millionenpleite mit den von den Städten und Gemeinden getragenen IT-Zweckverband KISA wurde nun Mitte letzten Jahres die KOMM24 GmbH gegründet, welche die sächsischen Gemeinden nun unter der Aufsichtsratsführung der Stadt Chemnitz (vertreten durch IT-Bürgermeister Schulze) in eine glänzende digitale Zukunft kapitulieren soll.

Bis es soweit ist kann man also konstatieren, dass die Stadt Chemnitz betreffs elektronische Formulare 25 Jahre verschlafen hat, betreffs Videotelefonie 84 Jahre und betreffs elektronischem Ausweis 10 Jahre. Zumindest das Wunschkennzeichen für das heilige Blechle kann man sich seit 2012 elektronisch aussuchen.

Ursprünglich auf Facebook am 27.02.2020 veröffentlicht.