Weltoffenheit per Resolution ersetzt keine Praxis

· Verwaltung & Stadtrat, Kultur & Kulturhauptstadt · 2 Min. Lesezeit · Artikel 244 von 492

#Chemnitz #Stadtrat #Demokratie #Stadtpolitik

Gestern verkündeten im Chemnitzer Stadtrat Vertreter verschiedener Fraktionen aufgrund der anhaltenden bösen Zustände eine "Resolution", dass Chemnitz nunmehr eine "weltoffene, vielfältige, tolerante und internationale Stadt" sein wolle. Auf der rechten Seite des Ratssaals sitzende Gruppierungen wurden vorsorglich von der Selbstverpflichtung ausgeschlossen, damit das schöne Bild nicht gleich kaputt geht.

Offensichtlich erinnerte man sich kollektiv nicht mehr daran, dass am 8. Juli 2014 die "Chemnitzer Charta für Vielfalt" vom Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit, der "Bürgerstiftung für Chemnitz" und der Stadtverwaltung ausgerufen wurde, die durch den "Lokalen Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz" gefördert und auch durch verschiedene Unternehmen und Organisationen unterzeichnet wurde.

Dieser hätte man sich anschließen können. Leider war diese "Verfassung" ein paar Monate nach der pressewirksamen Verkündung verschwunden und die Domain www.chemnitzer-charta.de wurde gekündigt. Weil Chemnitz so weltoffen und international ist, hat das Stadtmarketing vor einigen Monaten auch noch die englischsprachigen Tourismus-Webseiten gelöscht und weil Chemnitz so vielfältig ist, wurden für die Stadtratswahlen mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen aufgestellt. Der Chemnitzer Stadtrat ist sicher kein Spiegelbild der vielfältigen Gesellschaft und kein Musterbeispiel von Diversität, was vielleicht dieses neuerliche Lippenbekenntnis der Politik erklärt, um den Anschein zu wahren. An der Undurchlässigkeit der politischen Strukturen, am alltäglichen persönlichen Handeln, am armseligen Machtstreben und der mangelnden Kontrolle der Verwaltung wird sich dadurch zu Lasten der Subsidiarität der Bürgerschaft nichts ändern.

https://www.freiepresse.de/chemnitz/bekenntnis-zu-einer-weltoffenen-stadt-artikel8897045

Ursprünglich auf Facebook am 31.10.2019 veröffentlicht.