Verschwundene Brunnen in städtischer Obhut

· Verwaltung & Stadtrat, Kultur & Kulturhauptstadt, Denkmalschutz & Bauen · 4 Min. Lesezeit · Artikel 266 von 492

#Chemnitz #Denkmalschutz #Kunst #Verwaltung

In der langfristigen Obhut der Chemnitzer Stadtverwaltung scheinen neben ganzen denkmalgeschützten Gebäuden mangels Instandhaltung auch Kunstwerke und historische Relikte zu verschwinden, weil diese offensichtlich schlecht inventarisiert und unsicher gelagert werden. Zuletzt stellte man das spurlose Verschwinden eines Großteils des um die Jahrtausendwende eingelagerten "Kugelbrunnens" von Karl Clauss Dietel und Reinhard Grütz aus dem Jahr 1974 fest. Von 30 Kugeln aus Kupfer waren nur noch sechs vorhanden, ohne das zwischenzeitlich jemand das Verschwinden bemerkte. Das scheint "normal" zu sein, denn Konsequenzen gibt es offensichtlich keine. Drei Kugeln werden nun nachgefertigt und neben den sechs vorhandenen mit Unterstützung der Kulturstiftung Sachsen für 24.000 Euro auf einer Wiese aufgestellt.

Gleich in Gänze verschwanden im Jahr 2000 die drei bronzenen Bären des Bärenbrunnens des Künstlers Otto Pilz aus dem Jahre 1914, die man bei Bauarbeiten vorm "Sporthochhaus" ungünstig im Freien deponiert hatte. Immerhin war 2017 das schwere Brunnenbecken aus Granit noch vorhanden und steht mit Blättern bedeckt in einem Freiluft-Depot mitten im Küchwald. Die Rekonstruktion wurde damals trotz Anregung einer Spendensammlung vom Stadtrat abgelehnt, da der Künstler zwei Jahrzehnte nach Erschaffung des Brunnens gezwungen in die NSDAP eintrat und man vor zwei Jahren in Chemnitz noch sehr viel Wert darauf legte, auf keinen Fall etwas mit "Nazis" zu tun haben zu wollen.

Noch vorhanden ist der kupferne Klapperbrunnen, der nach meinem Plädoyer im Stadtrat zu den Gefahren der langfristigen Deponierung bislang nicht abgebaut wurde. Die geforderte Einhausung vor Ort ist bislang nicht erfolgt, obwohl voraussichtlich und wenn überhaupt erst 2021 Mittel in Höhe von 134.000 Euro zur Restaurierung zur Verfügung stehen. In der Presse war kürzlich von einem "unerwarteten Zufluss" die Rede, mit welcher die Sanierung sofort starten könne. Es handelt sich dabei um eine geschickt formulierte Pressemitteilung im Wahlkampf und "nur" um 10.000 Euro, die vielleicht für das Häuschen reichen, welches Metalldiebe von dummen Ideen abhält.

Um die Kompetenz der Stadtverwaltung zur langfristige Inventarisierung zu prüfen, fragte ich nun nach, wo der russische T-34-Panzer (eigentlich ein ausgemusterter Panzer der DDR-Volksarmee) inventarisiert ist, der als "Siegespanzer" seit 1975 auf einem Betonsockel an der Frankenberger Straße stand und dann 1991 als Leihgabe (nicht als Geschenk) ans Armeemuseum Ingolstadt ging. Daneben interessierte mich auch, wo die künstlerischen Ausstattungen des denkmalgeschützten "Forums" als prägendes Bauwerk der Ostmoderne geblieben sind, für dessen Abriss sich die Stadtführung vor einigen Jahren stark gemacht hatte, weil dort ein Justiz- und Behördenzentrum entstehen sollte, aber dann doch nur ein Parkplatz entstand.

Eine Beantwortung beider Anfragen wurde nach 2 Monaten der Nichtbearbeitung dann abgelehnt, da sich die Stadtverwaltung weder für die Einhaltung der Gemeindeordnung noch die städtische Informationsfreiheitssatzung interessiert.

Ursprünglich auf Facebook am 11.09.2019 veröffentlicht.