Rathaus funkt vertraulich im Klartext

· Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 304 von 492

#Chemnitz #Verwaltung #Digitalisierung #Stadtrat

Die Stattverwaltung Chemnitz nutzt im Verwaltungsnetz teilweise unverschlüsseltes WLAN. Insbesondere Stadträte sind davon betroffen, die teilweise vertrauliche Verwaltungsdokumente, die zudem noch Personendaten enthalten können, über dieses austauschen müssen. Jeder halbwegs versierte Hacker kann dieses Netz abhören, Dokumente verfälschen oder austauschen, sogar Zugangsdaten stehlen und damit tiefer ins Verwaltungsnetz eindringen.

Der dem WLAN zugrundeliegende technische Standard sieht seit nunmehr 22 Jahren eine Verschlüsselung vor. Eingesetzt wird diese von der Verwaltung aber nicht, da man wie bei jedem Sicherheitssystem hin und wieder den Code ändern müsste. Diese Antwort bekommt man von Sven Schulze (SPD), der seit 2015 als Bürgermeister Personal, Finanzen und Organisation der Stadt Chemnitz auch für die IT-Sicherheit zuständig ist. Siehe Ratsanfrage https://session-bi.stadt-chemnitz.de/getfile.php?id=7089682&type=do Der Verweis, doch ausschließlich https zu nutzen, zeigt die komplette digitale Inkompetenz und delegiert Verantwortung an Menschen, die teilweise froh sind, wenn sie überhaupt den Einschalter ihres digitalen Endgeräts finden.

Man kann sich leicht ausmalen, wie es bei solchen unqualifizierten Aussagen um die allgemeine IT-Sicherheit und die Digitalisierungsbemühungen der Stadt Chemnitz bestellt ist. Nämlich unsicher bis gar nicht. Das gleiche Amt ist übrigens auch für die Aufbereitung der Ergebnisse der Wahlen zuständig.

Um wenigstens eine Grundsicherheit herzustellen, wurde für die nächste Stadtratssitzung ein Beschlussantrag eingereicht, der die Herstellung eines sicheren und verschlüsselten WLANs fordert. Das wurde von der Verwaltung abgelehnt. Der Bürgermeister für Recht und gefühlte Sicherheit Miko Runkel begründet dies damit, dass der Stadtrat für sowas nicht zuständig sei, sondern der "Bürgermeister" sei nach Gemeindeordnung für "sachgemäße Erledigung der Aufgaben und den ordnungsgemäßen Gang der Gemeindeverwaltung verantwortlich". Deutlicher kann eine Bankrotterklärung der kompletten Verwaltungsführung nicht erfolgen.

Stadträte sind nach Gemeindeordnung dafür zuständig, der Verwaltung auf die Finger zu schauen. Was macht man nur bei so viel Ignoranz? Mal schauen, ob es die Stadträte der SPD und CDU interessiert, die ja teilweise als Landtags- und Bundestagsabgeordnete gerade aufgrund der gefühlten Bedrohungslage nichts besseres zu tun hatten, ein scharfes Polizeigesetz durchzuprügeln, die Polizei mit mehr digitalen Eingriffsmöglichkeiten auszustatten und die Bundeswehr zur digitalen Kriegsführung fit zu machen, während in der digitalen Provinz seit Jahrzehnten im ungeschützten WLAN alle Scheunentore offen stehen.

#stattdermoderne

Ursprünglich auf Facebook am 10.05.2019 veröffentlicht.