Freie Szene soll Stadtentwicklung gratis liefern

· Kultur & Kulturhauptstadt, Stadtentwicklung & Innenstadt, Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 307 von 492

#Chemnitz #Kulturhauptstadt #FreieSzene #Sonnenberg

Nachdem die Projekte des Klub Solitaer mit Lokomov, Komplex, verschiedenen Künstler- und Atelierhäusern, der Galerie Hinten und den durch die Kulturstiftung des Bundes initial unterstützten Dialogfelder mittlerweile überregionale Bekanntheit genießen, von der Chemnitzer Stadtverwaltung gern mit EU-Delegationen besucht werden, der künstlerisch-kreative Sonnenberg regelmäßig auf Immobilien-Investoren-Konferenzen präsentiert wird und die Media-Reichweite weit über der des Chemnitzer "Stadtmarketings" liegt, bestand 2017 das Ansinnen, die bis dahin sechs Jahre in Vollzeit ehrenamtlich erledigte und privat finanzierte kulturelle Stadtentwicklung mit einer institutionellen Förderung durch die Stadt zu verstetigen. Statt der regulären Beantragung schlug die Stadtverwaltung vor, erstmal eine "Beratung" durchzuführen, um "andere Wege" der Finanzierung zu finden (wahrscheinlich über Schattenförderung durch städtische Gesellschaften). Nun ist der Klub Solitaer wenig angepasst und spricht mit seinen Projekten auch unbequeme Wahrheiten an. Ein Jahr Ehrenamt später gab es doch keine anderen Wege und dem Klub Solitaer wurde geraten, doch mal einen Gang zurückzuschalten und andere Wege der Finanzierung dieser Stadtentwicklung zu finden. Unverständnis herrscht auch bei den gewählten Stadträten, die teilweise die Meinung vertreten, Kunst und Kultur müssen sich selbst finanzieren und Gesellschafts- und Stadtentwicklung dürfen dabei kostenlos abfallen. Die Dialogfelder liegen auf Eis, obwohl der Dialog und Bürgerbeteiligung gesellschaftlich bitter not tun. Das Lokomov spart mit Stromabschaltung und reduziert teure Außensitzplätze. Das Komplex schränkt das künstlerische Programm ein. Ein katastrophales Zeichen nach außen für eine Stadt, die gerade "Kulturhauptstadt" Europas werden will. Vielleicht will ja die eine oder andere Partei oder Organisation das Angebot wahrnehmen, dem Lokomov die Schaufenster zuzukleben. Vielleicht ist das auch endlich ein verständliches Angebot für die Stadtverwaltung, um z.B. für veraltete Webseiten, die Innenstadt oder die Bürgerbeteiligung zur Kulturhauptstadt zu werben. Willkommen in der Welt des neoliberalen Marktfundamentalismus und der einfachen Botschaften. Andere kulturelle Einrichtungen mit Entwicklungswillen werden diesem Beispiel dann sicher folgen.

Ursprünglich auf Facebook am 29.04.2019 veröffentlicht.