Bürgerbeteiligung als Kampfansage der Verwaltung
KÄMPFEN LOHNT SICH versprechen die neuen Plakate, mit denen die Stadtverwaltung Chemnitz der Bürgerbeteiligung zur Kulturhauptstadt 2025 final einheizen will. KAMPF als letzte Möglichkeit, gegen Unterdrückung, Ignoranz und Willkür vorzugehen, wenn Kooperation keine Option ist.
Gezeigt werden auf den Plakaten nicht die vielen Opfer und die vergeudeten Ressourcen, die beim KAMPF auf der Strecke bleiben, sondern das Chemnitztalviadukt, welches 2003 von heute noch im Stadtrat und in der Stadtverwaltung sitzenden Personen zu Schrott erklärt wurde und wo zehn Jahre später eine Handvoll Chemnitzer einen jahrelangen Kampf gegen den Irrsinn Verwaltung, Lügen und Korruption aufnahmen. Am Ende, als sich der "Sieg" abzeichnete, wollten sogar jene mit auf der Siegerseite stehen, die den Abriss vorher beförderten. Das die Stadtverwaltung als Verursacherin und Ausrichterin des Neubauwettwerbs mit diesem Slogan und Motiv für Kampf als Mittel der "Bürgerbeteiligung" wirbt, verhöhnt alle, die sich jahrelang durch die Mühlen der Bürokratie gequält haben.
Das die Kulturschaffenden für Neues kämpfen müssen, ist leider auch die Ansicht des Vorsitzenden des Kulturbeirats, der nach eigenem Bekunden selber immer gekämpft hat. Darunter sind einige, die sich verklärend an die Zeiten des VOXXX erinnern oder dort mit am Start waren und mittlerweile in warmen Nestern eine städtisch bezahlten Anstellung oder im Stadtrat sitzen. Auf die Idee, die Kulturschaffenden als gleichwertige Umsetzungspartner für eine gesellschaftliche Entwicklung zu sehen, die mehr als ein paar Schlüsselworte für Kulturstrategie, Verwaltungsvorlagen oder das "Bid Book" liefern können, kommt man leider nicht. Laut Aussage des Leiters der Kulturbetriebe darf die Freie Kulturszene froh sein, wenn sie überhaupt mitmachen darf. Wenn das mal eine Kampfansage statt einem Kooperationsangebot ist.
Ursprünglich auf Facebook am 01.05.2019 veröffentlicht.