Tourismuswerbung aus der Chemnitzer Zeitschleife

· Kultur & Kulturhauptstadt, Verwaltung & Stadtrat, Stadtwirtschaft & Kreativwirtschaft · 5 Min. Lesezeit · Artikel 310 von 492

#Chemnitz #Tourismus #Marketing #Kulturhauptstadt

Mit der neugewonnenen Bekanntheit von Chemnitz scheint das Interesse der Touristen geweckt, der angehenden "Kulturhauptstadt" Chemnitz einen Besuch abzustatten. Die Suche mit Google führt recht schnell auf die Seite chemnitz-tourismus.de als ersten Treffer.

Die mobile "englische" Version der Seite wirbt als erstes für "Championship of Road Cycling 2017" unter einem deutsch betitelten Bild der "Gastromeile" und wurde wahrscheinlich seit zwei Jahren nicht aktualisiert. Auf der Suche nach Unterkünften landet man schnell auf einer deutschsprachigen Suchmaske, wo für das kommende Wochenende die Übernachtung in einer Pension mit Ritterkeller für 50 Euro nebst Festgelage und noch drei anderen "Unterkünften" dieser Kategorie empfohlen wird. Es scheint hier keine Hotels zu geben und Festgelage sind üblich.

Weiterhin wird der Besuch von Am Kopp am 4. August 2018 sowie Sonderausstellungen und Premieren empfohlen, die meist ebenfalls in der Vergangenheit liegen. Auch die 875-Jahre-Feier wird noch angepriesen sowie die Buchung von Arrangements für Fahrradfahrer im Jahr 2017. Zum öffentlichen Nahverkehr wird berichtet, dass dieser der Nachfolger des VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt ist, die nächst gelegenen Hauptbahnhöfe in Dresden und Leipzig liegen und das Chemnitzer Straßenbahnverkehrsnetz nun endlich an Stollberg angebunden ist.

Wer an dieser Stelle noch nicht aufgegeben hat, findet vielleicht noch den Link zur brandneue Seite chemnitzcity.de (Kampagne für 180.000 Euro), die unter anderem einen Blutspende-Marathon in der Vergangenheit empfiehlt und dem verwirrten Touristen erklärt, dass die Galeria nunmehr "Kartstadt Kaufhof" heißt und in Chemnitz alles bleibt wie es ist. Nämlich rückschrittlich und veraltet, wie die Plakate, die derzeit in der Innenstadt hängen und auf das zeitnahe Ausgeben des Weihnachtsgeldes hinweisen. Die eigentlich tolle teure Web-App chemnitz-entdecker.de wurde seit 3 Jahren nicht mehr aktualisiert, seitdem sie auf der Internationale Tourismus Börse 2016 vorgestellt wurde. Empfohlen werden dort u.a. der "Brühlaffe" oder das alte "Mama Joes" auf der Beckerstraße, welches nach dem Umzug in die Innenstadt ebenfalls schon wieder geschlossen hat. Besonders interessant ist auch der Twitter-Kanal, der seit Antritt der neuen nicht-digitalen Geschäftsführung keine Rolle mehr spielt. Offensichtlich haben die Verantwortlichen gar kein Internet und auch keinen Kontakt zu echten Touristen. Diese würden ja ständig auf diese Unzulänglichkeiten hinweisen. Dieser Mist schreckt Touristen ab und macht uns weltweit lächerlich.

Womit wir zu der Frage kommen: Was machen die 20 Personen in Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing eigentlich mit den 2 Millionen jährlich aus dem städtischen Haushalt sowie diversen Sponsorings städtischer Gesellschaften, außer das Stadtfest abzusagen und in der Weltgeschichte rumzureisen? Man hört ja so einiges an großen Plänen, was aber alles nichts wird, da man seit Jahren nicht mal simple Basisarbeit hinbekommt und sich nur über die miese Stimmung bei Händlern und Besuchern wundert und zur Beruhigung auf Brot und Spiele in Form von strohfeuerartigen Innenstadtveranstaltungen setzt.

Auf meine Ratsanfrage von Januar (beantwortet im April), antwortete der verantwortliche Bürgermeister Sven Schulze in Vertretung der OB, dass der Grund der mangelnden Aktualität urlaubs- und krankheitsbedingt war und das deshalb nicht zeitnah aktualisiert werden konnte. https://session-bi.stadt-chemnitz.de/getfile.php?id=7091540&type=do Die Aufsichtsräte verantwortlichen "Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH" Dietmar Berger (Fraktion DIE LINKE im Chemnitzer Stadtrat), Tino Fritzsche (CDU Chemnitz), Wolfgang Höhnel (SPD Fraktion Chemnitz), Ulf Kallscheidt (SPD Fraktion Chemnitz) und Karl-Friedrich Zais (Fraktion DIE LINKE im Chemnitzer Stadtrat) sollten ihrer Aufsichtspflicht trotz oder wegen Wahlkampf mal dringend nachkommen und paar Schlafmützen austauschen, die seit Jahren hochbezahlt vor sich hindämmern.

Ich bin es echt leid, mich ständig von der Verwaltung veralbern zu lassen. Für seit 2016 mangelhafte Arbeit Krankheiten und Urlaub des Verantwortlichen vorzuschieben, deutet auf Verletzung der Aufsichtspflicht hin. Es steht zu befürchten, dass hier genau so wie in vielen anderen Bereichen dieser Stadt hantiert wird und man sich offensichtliche Missstände schönzureden versucht, bis es wieder mal zu aufBRÜCHEN kommt (Motto der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025).

Ursprünglich auf Facebook am 24.04.2019 veröffentlicht.