Statistikglanz verdeckt Chemnitzer Jobflaute
In den letzten Tagen wird leider wieder deutlich, wie die Chemnitzer Verwaltung mit Hilfe von oberflächlichen Statistiken und einer teilweise unkritisch Pressemitteilungen übernehmenden Presse Politik macht und die eigene Arbeit überhöht oder rechtfertigt.
Gelobt werden regelmäßig die kreativen Aktionen der Wirtschaftsförderung und die gute Wirtschaftslage. In den letzten 8 Jahren sind in Chemnitz trotz ca. 12 Millionen Euro Verlustausgleichs der Wirtschaftsförderung und zig Millionen für Gewerbeparks und Straßen und Autobahnabfahrten gerade mal 500 neue Stellen dazugekommen, während Leipzig mit 36.700 und Dresden mit 26.500 zusätzlichen Stellen punkten kann. Während sich jetzt vielleicht die fünf Stadträte im Aufsichtsrat der CWE verwundert die Augen reiben, fallen mir als Unternehmer eine Menge Punkte ein, wo eine wirtschaftliche Entwicklung gehemmt oder sogar aktiv verhindert wird. Die habe ich sogar schon mehrfach an die Verantwortlichen kommuniziert. Leider tut sich nichts.
Bei jeder Gelegenheit wird zudem öffentlichkeitswirksam berichtet, dass "Chemnitz wächst". Trotz Wachstum der Einwohnerzahlen sind aber mehr und mehr Arbeitsplätze und Lehrstellen unbesetzt, obwohl ja kaum Stellen dazugekommen sind (oder genau deswegen wurden keine Stellen geschaffen). Das betrifft hochqualifizierte Jobs genauso wie einfache. Aus dem Wachstum leitet man zudem ab, dass man jetzt für hunderte Millionen Euro Grundstücke erwerben und darauf Schulen bauen müsse, um den prognostizierten Ansturm in Zukunft zu bewältigen, nachdem man kurz zuvor noch Schulen billigst verkauft hat. Beim Blick ins Detail stellt man aber fest, dass Chemnitzer mit deutscher Staatsbürgerschaft zunehmend abwandern und derzeit nur noch genügend Flüchtlinge nach Chemnitz zugewiesen werden, um die Abwanderung statistisch auszugleichen. Dies als nachhaltigen Erfolg zu verkaufen, erscheint zweifelhaft, zumal man sich seitens der Wirtschaftsförderung intensiv darum kümmern muss, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen und Hindernisse wie z.B. Beschäftigungsverbote zu beseitigen. Spannend ist dabei die Frage, was wachsenden Städte besser machen, z.B. Kultur, Digitalisierung, Mobilität, Offenheit, Prozessoptimierung, während Chemnitz solange stagniert, bis die nächsten AUFBrüche (Motto der Kulturhauptstadtbewerbung) kommen. Am mangelnden Willen der Bürgerinnen und Bürger liegt es sicher nicht.
Beklagt wurde letztendlich vor wenigen Tagen durch das Stadtmarketing die negative Auswirkung der Ausschreitungen auf die Übernachtungszahlen. Im September 2018 sind die Übernachtungen trotz vieler untergebrachter Journalisten und Polizisten um 4% zum Vorjahresmonat "eingebrochen". Was nicht verraten wurde: Im November 2018 lagen die Zahlen sogar 6,1% über dem Vorjahresmonat (Quelle: FOG-Institut, Daten vom Statistischen Landesamt Sachsen). Bei einem Durchschnittswachstum von 3,1% bei den Übernachtungen von Januar-November 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deuten die Zahlen darauf hin, dass sich die neue Bekanntheit von Chemnitz vielleicht sogar positiv auf die Übernachtungszahlen auswirkt und man gar keine Tourismuswerbung mehr braucht. Jetzt müssen die gut zahlenden internationalen Katastrophentouristen nur noch Verkehrsmittel per Google Maps und Möglichkeiten zum Geldausgeben in der Chemnitzer Innenstadt finden, dann steht einem Wirtschaftsaufschwung nichts mehr im Wege.
Ursprünglich auf Facebook am 23.01.2019 veröffentlicht.