Notknopf macht Chemnitzer Kameras endlich nützlich
Ein Update zum Thema Videoüberwachung in der Chemnitzer Innenstadt brachte zutage, dass der Datenschutz jetzt immerhin schon Aufnahmen erlaubt, wenn ein Notknopf in der Nähe der Kameras betätigt wird. Ob die Notknöpfe bei der Bestellung des 800.000 Euro teuren Systems schon inklusive waren, weiß ich nicht. Im Verwaltungs- und Finanzausschuss hat man sich ja angeblich umfassend und monatelang mit dem Thema beschäftigt - wurde mir von Herrn Müller gesagt - und ich soll mich nicht beunruhigen - die Verwaltung weiß, was sie tut, sagt der Herr Runkel. Jedenfalls kann man jetzt bei Fehlalarmen zumindest Notknopfmissbrauch ahnden, da der Auslösende zum Tatzeitpunkt gefilmt wird. Mehr Features kommen bestimmt noch, wenn sich der kürzlich bestellte Datenschutzbeauftragte in die Materie eingearbeitet hat.
Was die Videoüberwachung im restlichen Stadtgebiet betrifft, ist man schon weiter. Auf dem kriminellen Sonnenberg fand eine Hausdurchsuchung statt, weil die Polizei am Rande der 1.-Mai-Demo aus einem Hubschrauber heraus durch das Fenster einer Wohnung im obersten Stock gefilmt hat und dort eine Pflanze entdeckt hat, die verdächtig wie eine Pflanze aussah. Gefunden wurde nichts. Also bei Demos am besten nicht nackig oder mit verdächtigen Pflanzen zu nah am Fenster stehen. Die schwarzen Hubschrauber kommen euch sonst abholen.
Ultimativer Technikeinsatz wird demnächst im Süden ermöglicht. Bewohner der Stadtteile Einsiedel, Erfenschlag, Harthau, Klaffenbach, Adelsberg, Kleinolbersdorf und Altenhain sollten sich in Acht nehmen, wenn das neue sächsische Polizeigesetz in Kraft tritt. Da die Stadtteile innerhalb der 30-km-Abstands zur tschechischen Grenze liegen, darf dort ein anlassloser Abgleich von Personendaten, z.B. durch Gesichtserkennung erfolgen.
Der feuchte Traum eines jeden Ordnungspolitikers sind aber sowieso kleine, nahezu lautlose Drohnen, die von Fenster zu Fenster fliegen und Verhaltensmuster analysieren. Endlich werden häusliche Gewalttäter und Steuerhinterzieher gefasst. Beim technologischen Trendsetter Militär ist sowas schon im Einsatz, allerdings bisschen größer und mit Bewaffnung.
Merke: Am besten fährt man, wenn man erstens "nichts zu verbergen" hat und zweitens nicht versehentlich verdächtig wird. Also keine zu schnellen oder zu langsam Bewegungen machen, nicht schief gucken, immer saubere Unterwäsche tragen und die richtigen Zimmerpflanzen als Freunde wählen.
Ursprünglich auf Facebook am 29.06.2018 veröffentlicht.