Zietenstraße wird zur 500-Tage-Kraterlandschaft

Seit nunmehr 17 Monaten arbeiten die Stadt Chemnitz und der örtliche Energieversorger eins an der Erneuerung der bis dato funktionsfähigen Wasser- und Stromversorgung sowie der Abwasserentsorgung der unteren Zietenstraße (zuletzt erneuert 1983). Neu dazugekommen ist Fernwärme, die sich aber nur noch sehr reiche Menschen leisten können. Dazu wurde jede Leitung EINZELN jeweils quer aufgegraben, erneuert und danach wieder mit entsprechenden Materialan- und -abtransporten verfüllt. Danach wurde alles längs nochmals mehrmals aufgegraben und verfüllt. Als Grund dieses ungewöhnlich aufwändige Vorgehen wurde benannt, dass man die Zufahrten zu den Häusern sicherstellen muss. Als Besitzer mehrerer Häuser kann ich allerdings bestätigen, dass dort Zufahrten seit einem Jahr nicht möglich sind, außer mit einem echten Geländewagen oder Kettenfahrzeug unterwegs. Mittlerweile sind Straße und Gehwege komplett verschwunden und auch die Straßenbeleuchtung funktioniert nicht mehr. Diese katastrophal unkoordinierte, personell unterbesetzte und planungstechnisch unterbelichtete Baumaßnahme hat dazu geführt, dass man nach über 500 Tagen auf 137 Metern eine einzigartige Kraterlandschaft erzeugt hat, die man sonst nur in Kriegsgebieten oder auf fremden Planenten findet. Einige Ladeneingänge derzeit gar nicht zu Fuß erreichbar, 500 Tage Erschütterungen, Dieselgestank und Staubbelastung setzen Menschen und Gebäuden zu und die Müllentsorgung funktioniert wochenweise nicht mehr. Die wenigen Gewerbe leiden, Mieter ziehen aus bzw. gar nicht erst ein, Gebäudesanierungen werden verhindert. Vom städtischen ASR werden hingegen trotz Widerspruch weiter Straßenreinigungsgebühren verlangt, obwohl nichts zum Reinigen da ist.
Wenigstens genießen am Wochenende die vielen Kinder die Ruhe und spielen in der Baustelle. Der Abschluss ist Ende 2024 geplant. Dann ist es wieder die Durchfahrtsstraße mit zigtausenden Fahrzeugen pro Tag, die man offensichtlich gar nicht braucht und hätte menschenfreundlicher planen können.
Ursprünglich auf Facebook am 26.03.2024 veröffentlicht.