Bleibt zuhause greift zu kurz
Viele Politiker und Home-Office-Privilegierte rufen mit einem plakativen "Bleibt zuhause, bleibt gesund" oder unkonkreten Video-Sonntags-Solidaritäts-Reden dazu auf' sich als gesunder Mensch in Selbstisolation zu begeben. Dazu solle man nicht Hamstern, Kranken helfen und im Supermarkt Regale einräumen. Das widerspricht sich doch fundamental, ist unüberlegt und weltfremd. Statt Ausgangssperren oder Selbstisolation Gesunder zu verordnen, muss die Politik und Verwaltung erstmal selbst verstehen, was zu tun ist und das richtig und nicht plakativ und falsch verkürzt kommunizieren. Inhaltsleeres Gelaber und Widersprüche führen zum Vertrauensverlust.
Die meisten Menschen arbeiten nicht im Home Office und die Kinder drehen in der Wohnung alleine durch und brauchen zumindest ein paar Spielkameraden. Die Infizierten-Zahl und das Risiko werden in den nächsten Tagen und Wochen steigen und es wird noch Monate(!) so weitergehen. Dazu kommen Angst vor Jobverlust und Erkrankte in Familie und Freundeskreis. Sozialer Kontakt ist unvermeidbar und auch wichtig.
Es geht deshalb beim "Social Distancing" nicht um das Zuhausebleiben oder übertriebene Abstand halten, sondern um die Reduzierung der Anzahl der körperlichen Kontaktpersonen. Es können also Kinder weiterhin mit einer überschaubaren Anzahl der selben Spielkameraden spielen, man kann sich weiter mit wenigen und den selben Freunden treffen oder mit dem engeren Kreis der Familie zusammen sein, man kann weiter an der frischen Luft spazieren oder Sport treiben gehen oder mit dem Hund raus. Man kann zur Arbeit gehen, wenn man die Kontakte dort gering hält. Das wird mit den angekündigten wochenlangen Ausgangssperren alles schwierig.
Zu vermeiden sind häufig wechselnde Kontaktpersonen, Räume und Plätze mit vielen Menschen, enge Gänge oder öffentliche Verkehrsmittel. Infizierte Tröpfchen fallen mit Abstand zu Boden, auf Kleidung und Schuhe. Zu achten ist deshalb unbedingt auf Hygiene, zum einen, damit man nicht selbst zur symptomlosen und unerkannten Virenschleuder und zum anderen, dass man sich und andere nicht mit dem eigenen kontaminierten Händen infiziert, weil man auf irgendeiner Oberfläche Viren eingesammelt oder verteilt hat (in die Armbeuge husten oder Niesen und regelmäßig Hände mit Seife waschen, Kurs hier https://kw.my/txis4G/ ).
Viele die an der Kasse, im Gesundheitswesen, als Fahrer oder als Sicherheitspersonal arbeiten, können es sich zudem nicht aussuchen, wer einem auf die Pelle rückt. Dann sollte der Arbeitgeber aber auch für ausreichenden Schutz sorgen, was derzeit noch kaum zu beobachten ist. Wenn diese Menschen krank werden und dann auch noch unerkannt zu Super-Viren-Verteilern werden, wird es richtig kritisch.
Liebe unbekannte "Krisenstäbe", Krisenmanagement ist in erster Linie klare Kommunikation des Basiswissens an die Bevölkerung. Schließungen und Ausgangssperren sind Folgen schlechter Kommunkation und ein Armutszeugnis. Es bieten sich zuhauf vorhandene Plakatwände (die Werbung darauf braucht gerade niemand), Social-Media-Anzeigen mit mehr Inhalt als nur einer Headline und unterhaltsame Fernsehwerbung an. Selbst für kühle Rechner ist das doch viel günstiger als die teure Behandlung von Intensivpatienten oder das Beklagen von Toten, die durch fehlende und falsche Informationen entstehen oder das komplette Herunterfahren der Wirtschaft. Wenn der Mensch auf die oben genannten Widersprüche trifft, handelt er nämlich nicht mehr nach widersprüchlicher Anweisung, sondern nach bestem Wissen. Das beste Wissen muss man aufbauen. Ihr nutzt diese kommunikativen Möglichkeiten derzeit unzureichend, obwohl es einfach ist. Kommunikations-Experten sind sicher zum Helfen bereit, müssen aber von euch aktiv beauftragt werden, da gute Leute auch anderweitig zu tun haben, zum Beispiel für Gemeinden und Regierungen, die es schon begriffen haben.
Liebe Arbeitgeber, stattet die Leute mit vielen Sozialkontakten mit Schutzkleidung und Desinfektionsmöglichkeiten aus. Bei Lieferengpässen tut es auch der Overall und die Schutzbrille aus dem Bauhandel. Man muss keinen Schönheitspreis gewinnen und wer nicht für Schutz sorgt, sollte seine Viren-Verteilstation lieber schließen.
Bitte teilen, da ich nicht weiß, ob hier viele Politiker mit Krisenverantwortung oder viele Arbeitgeber mitlesen.
Ursprünglich auf Facebook am 20.03.2020 veröffentlicht.