Leere Bahnen, leere Antworten
Im Chemnitzer Stadtbild fällt auf, dass im Gegensatz zu anderen Städten kaum Werbung für die Kulturhauptstadt oder die vielfältigen Kultureinrichtungen und -projekte gemacht wird. Da sehr viele Busse und Bahnen ohne jegliche Werbung durch die Stadt fahren, fragte im Februar an, wie viele Busse und Bahnen der Chemnitzer Verkehrs AG noch nicht als Werbeflächen genutzt werden und ob Kontingente für hiesige Kultureinrichtungen und gemeinnützige Organisationen zur Verfügung gestellt werden können.
Die Beantwortung dieser Frage wurde durch Herrn Schulze abgelehnt, da kein "einzelner Sachverhalt" hinterfragt würde. Da der Zweck der Ratsanfrage wohl nicht verstanden wurde, fragte ich nochmals mit Benennung konkreter Beispiele nach (u.a. "Kulturhauptstadt"), wie viel denn noch frei ist und an wen sich denn die Kultureinrichtungen nun wenden können. Ebenfalls könnte die CVAG doch auch selbst viel intensiver und kreativer für den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn werben. Dies wurde nach zwei Monaten Bearbeitungszeit wieder abgelehnt.
Die Vermarktung ist wie sämtliche Werbung auf den Plakattafeln und Litfaßsäulen exklusiv an den Vermarkter Ströer Media ausgelagert, dessen Bemühungen aber bisher nur durch die Bundeswehr-Straßenbahn bekannt wurden. Es kann also durchaus sein, dass trotz Schlechtleistung des Vermarkters die Werbeflächen auf den Fahrzeugen exklusiv blockiert sind und man einfach nicht drüber reden will, was da wieder für ein Vertrag ausgehandelt wurde (der Infront-Deal des CFC lässt grüßen).
Ohne Beantwortung von Ratsanfragen und der Vertragskonstellation fällt es schwer, einen entsprechenden Stadtratsantrag einzubringen, wo über die Freigabe der ungenutzten Werbeflächen für Kulturelle und Gemeinnütziges abgestimmt werden kann. Schade auch das die Stadtverwaltung und die hochbezahlten Stattmarketingprofis auf sowas nicht selbst kommen und durch Nichtbeantwortung Werbeflächen im Wert von hunderttausenden Euro für die Kulturschaffenden blockiert, tolle Projekte nicht die Aufmerksamkeit bekommen und sich Bürgerinnen und Bürger beklagen, man würde schlecht informiert.
Wenigstens hat man es nun geschafft, ein paar Haltestellenhäuschen vor dem Bahnhof und eine einzelne Straßenbahn zu bekleben, so dass zumindest die Kulturhauptstadt jetzt etwas sichtbarer wird. Marketingunterstützung für die Kulturschaffenden und gemeinnützigen Projekte sind leider weiterhin ausstehend.
#stattmarketing #stattdermoderne
Ursprünglich auf Facebook am 20.09.2019 veröffentlicht.