CVAG bekommt Freifahrtschein für Dieselbusse

· Verkehr & Mobilität, Energie & Versorgung, Klima & Umwelt · 6 Min. Lesezeit · Artikel 294 von 492

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In der letzten Stadtratssitzung wurde der CVAG mit den Stimmen von DIE LINKE und CDU/FDP der Freifahrtschein für weitere Dieselbusse erteilt.

Nun muss man dazu wissen, dass von den Gewinnen der städtischen Beteiligung von eins energie jedes Jahr über eine Holdinggesellschaft ca. 20 Millionen Euro in die Querfinanzierung des öffentlichen Nahverkehrs der Chemnitzer Verkehrs AG fließen. Die Fahrpreise wären ohne diesen steuerlichen Subventionierungs-Trick sonst mehr als doppelt so teuer.

Knapp die Hälfte dieses Zuschussbetrags des städtischen Energieversorgers gibt die CVAG für Betriebsstoffe aus, davon ein Großteil für Diesel. Vom Dieselpreis sind ca. 60% Steuern, die wiederum zum Großteil dem Bund zufließen. Die restlichen 40% verschwinden teilweise in Taschen von Personen, die regelmäßig weltpolitisch Ärger machen, Kriege anzetteln und Flüchtlinge produzieren.

Jetzt wäre es erstrebenswert, wenn das Geld in der Stadt bliebe und man statt fremd zugekauften Diesel den Strom verwendet, der sowieso mit der Fernwärmeerzeugung anfällt und damit in Zeiten der Überproduktion oder geringer Abnahme (was immer häufiger vorkommt, da so ein Braunkohlekraftwerk recht träge ist) lieber die Busse als fahrende Stromspeicher auflädt, anstatt weitere stationäre Batterien (der Batteriespeicher der eins hat 10 Millionen Euro gekostet) zu bauen an der Strombörse noch Geld dafür zu bezahlen, dass uns irgendwer die Stromüberkapazität abnimmt.

Die Busse müssen keine langen Strecken fahren, sind im Schnitt nur mit 15-30 km/h unterwegs und können bei Notwendigkeit der Aufladung bzw. der Überkapazität an Endhaltestellen, induktiv bei Zwischenhalten oder nachts im Depot geladen werden. Im Gegensatz zu Langstrecken-PKWs werden dafür keine gigantischen Batterien mit zweifelhafter Umweltbilanz benötigt, da die Busse nur 150-200 km pro Tag fahren. Es ergibt sich zudem eine erhebliche Lärm- und Abgasreduzierung sowie ruckfreies Anfahren, was insbesondere die Leute danken werden, die in der Nähe einer Bushaltestelle oder mit Bussen stark befahrenden Straße wohnen. Versehen mit einer intelligenten Steuerung spart eins energie beim Laden also sogar noch Geld anstatt wie bisher einen Millionenzuschuss für den Dieselkauf zu zahlen. Der oft in den Vordergrund gestellte Umweltschutz und Gesundheitsschutz ist ein positiver Nebenaspekt.

Nun geht man bei der CVAG gerne auf Nummer sicher, zweifelt z.B. immer noch an der Sinnhaftigkeit des Internets und setzt derzeit voll auf Dieselbusse. Die sind nämlich deshalb "zuverlässig", weil man sich damit gut auskennt und auf diesem altem Wissen kann man sich prima jahrzehntelang ausruhen. Neben den kürzlich bereits beschafften Diesel-Bussen sollen jetzt noch weitere dazukommen. Die haben dann zwar Euro6-Norm, sind aber immer noch laut und verbrauchen teuren Diesel. Wo der Kraftstoff herkommt und dass Millionen aus dem lokalen Wirtschaftskreislauf abfließen, ist der Geschäftsführung egal. Deshalb sollte die CVAG in der letzten Stadtratssitzung vom Stadtrat beauftragt werden, sich intensiv mit dem Thema alternativer Antriebe und steuerlicher Auswirkungen auseinander zu setzen.

Der Antrag wurde allerdings mit Stimmenmehrheit (siehe Bild) von DIE LINKE und CDU/FDP abgelehnt. Elektrisches Fahren ist durch die Diskussionen beim PKW vor allem der CDU/FDP suspekt. Wenn elektrisch, dann soll die Energie nach Meinung von DIE LINKE doch bitte aus einer an der TU Chemnitz entwickelten Brennstoffzelle kommen. Man wolle die TU damit bei der Brennstoffzellenentwicklung unterstützen und abwarten, was sich dort ergibt (vor Kurzem wollte DIE LINKE der TU noch die Grundstücksflächen für die entsprechenden Forschungsgebäude wegnehmen). Nun sind Brennstoffzellenbusse aber auch nur Elektrobusse, wo statt der Batterie eine Brennstoffzelle sitzt und aus Wasserstoff den Strom erzeugt, der dann Elektromotoren antreibt. Außerdem ist die TU Chemnitz trotz Kompetenzzentrum überhaupt nicht in der Lage, eine komplette Brennstoffzelle für einen Bus zu entwickeln. Man entwickelt derzeit mit einem Industriepartner nur kleine Pufferspeicher für Busse. Weiterhin produziert eins energie ja gar keinen Wasserstoff, sondern müsste erst welchen erzeugen, was bei derzeitigen Wirkungsgraden im Vergleich zur Batterie unwirtschaftlich wäre. Der Antrag schloss die Befassung mit Brennstoffzellenbussen noch nicht einmal aus, sondern forderte die Befassung mit "alternativen Antrieben".

Leider ist es nicht möglich, solche wichtigen Fragen in der gebotenen Ausführlichkeit im Stadtrat zu erörtern, da Herummaulen und Zwischenrufen die Reden stören und politisches Lagerdenken mit vorgefertigten Entscheidungen das Mitdenken der Einzelnen in der Debatte ablösen. Wenn das mit der Nicht-Befassung so bleibt, werden diese und andere Entscheidungen rund um die CVAG die Stadtkasse in den nächsten Jahren mit zig Millionen belasten.

Wer sich übrigens wundert, warum einige Busse Blau-Gelb und einige Gelb-Blau (siehe Foto) sind: Die CVAG hat ein Tochterunternehmen "Euro Traffic Partner", was zur Kostenoptimierung ganz anderer Art dient. Wenn es darum geht, Millionen bei den Beschäftigten einzusparen, ist die lang vermisste Kreativität plötzlich da und muss nicht mal durch den Stadtrat angewiesen werden.

Ursprünglich auf Facebook am 25.05.2019 veröffentlicht.