Klapperbrunnen gerettet, nur nicht sofort
Der Klapperbrunnen ist gerettet. Vielleicht. Irgendwann. Frühestens jedoch 2021, wenn dann noch Geld in der Stadtkasse ist und die Gewerbesteuer trotz Wirtschaftsförderung weiter sprudelt. Dann ist nämlich der 31. Jahrestag der Nicht-Instandhaltung, was übrigens eine Chemnitzer Spezialität ist, für deren Folgen die Stadt mehr und mehr Geld aufwendet.
Das sofortige Abzwacken der erforderlichen 134.000 Euro von den 900.000 Euro der ebenfalls einem Instandhaltungsproblem zum Opfer gefallenen, allerdings um Faktor 3,3 überdimensionierten Stadtratstoilettenanlage im Rathaus für wollten SPD, LINKE und Grüne nicht mitmachen, nachdem man doch im letzten Jahr noch vollmundig die Stadtverwaltung zur Sanierung in 2019 aufgefordert hatte.
Statt einer Einhausung zum Schutz vor Diebstahl will man das kupferne Wasserspiel jetzt doch wieder sofort komplett demontieren, da der Bau einer Holzkiste mit Dachpappe drauf das städtische Budget sprengt und deren visuelle Präsenz die Bürger vielleicht noch in Jahren an das Sanierungsversprechen erinnert. Bereits die Witwe des Künstlers Johann Belz hatte ich gegen eine Demontage ausgesprochen. Beim ebenfalls allseits beliebten Bärenbrunnen sind übrigens erst nach Demontage durch die Stadt die Bären aus Bronze (Materialwert 7,80 €/kg) verschwunden und das Brunnenbecken aus Granit steht seitdem verwaist im Küchwald.
Sei's drum. Nach der üblichen unqualifizierten Wutrede von Detlef Müller (SPD) ob des Ansinnens der Toilettenreduzierung trug Frau Schaper (LINKE) ein 𝔐𝔦𝔪𝔦𝔪𝔦 vor, man hätte sich zuerst um den klappernden Brunnen gekümmert und ich hätte denen das Thema geklaut. Stimmt, das Wasserspiel hatte Mitte der 60er Jahre die SED-Bezirksleitung nach langen Diskussionen mit dem Künstler genehmigt und bezahlt und nach 30 Jahren des Vor-sich-Hingammels und des nun drohenden Abbau hat man mal nachgefragt, wie hoch denn der Sanierungsstau ist.
Auf diesem kleingeistigen Niveau bewegt sich "Stadtratsarbeit". Der neu gewählte Stadtrat macht das die nächsten 5 Jahre hoffentlich besser. Vielleicht kommt aber nach der Präsentation der jetzt durch die Jury ausgewählten Marktbrunnenentwürfe im Juni wieder die Idee auf, den Klapperbrunnen dem Busbahnhof-Ensemble zu entreißen und entgegen des Denkmalschutzes auf dem Marktplatz zu platzieren. Wundern würde mich das nicht.
Ursprünglich auf Facebook am 16.05.2019 veröffentlicht.