Chemnitz fehlen Hausärzte und ein Plan

· Verwaltung & Stadtrat, Stadtwirtschaft & Kreativwirtschaft · 4 Min. Lesezeit · Artikel 301 von 493

#Chemnitz#Gesundheit#Verwaltung#CWE

Wer in Chemnitz einen Hausarzt sucht, wird festgestellt haben, dass das gar nicht so einfach ist und man öfters einfach weggeschickt wird. Viele Hausärzte nehmen keine neue Patienten an. Das liegt daran, dass mit einer älter werdenden Bevölkerung sich auch Ärzte in den Ruhestand verabschieden und die Wahrnehmung von Chemnitz für den medizinischen Nachwuchs eher bescheiden ist. So weist Chemnitz mit 31 offenen Stellen für Hausärzte das höchste Defizit in Sachsen auf. Weitere acht Hausärzte schließen ihre Praxis in diesem Jahr. 51 Hausärzte sind älter als 60 Jahre und gehen bald in Ruhestand. Bei 200 erforderlichen Hausärzten sind in wenigen Jahren nur noch die Hälfte der Praxen besetzt.

In den neuesten Kommunalwahl-Versprechungen haben sich die Parteien nun auf die Fahnen geschrieben, diesem Missstand abzuhelfen. Dabei hat man wahrscheinlich übersehen, dass der Stadtrat bereits im September 2016 die Chemnitzer "Wirtschaftsförderung" beauftragt hat, ein Konzept gegen die immer größer werdenden Versorgungslücke zu entwickeln.

Nun erwartet man, dass dieses Konzept von der CWE irgendwann vorgelegt wird, damit konkrete Maßnahmen beschlossen werden können. Die Verwaltung teilt nun mit, dass das Konzept gar nicht abschließend fertiggestellt wird, weil man auf "politische Gegebenheiten und äußere Einflüsse flexibel eingehen" möchte. Das halbfertige "Konzept" wurde auf Nachfrage im Dezember 2018 im Sozialausschuss "als Tischvorlage ausgereicht" und besteht aus sechs PowerPoint-Seiten. Man hat sich zudem ohne Vorstellung und Beschluss im Stadtrat stillschweigend an die Umsetzung des dünnen Papiers gemacht. So wird in der Freien Presse vom 21.2.2019 berichtet, dass man auf einer Messe in Tschechien war und eine Kennenlernveranstaltung zum Thema "Kamillentee und Kräuterschnaps" in der Innenstadt stattfand. Der Chef der Wirtschaftsförderung verkündet zudem "Die Lösung der aktuellen Hausarztsituation wird Jahre dauern.", womit sicherlich die Sicherung des eigenen Jobs gemeint ist.

Laut Konzept soll der Markenaufbau "Neue Gesundheit" über "Chemnitz zieht an" erfolgen. Auf meine Nachfrage, warum auf den Seiten von chemnitz-zieht-an.de gar keine offenen Hausarztstellen beworben werden, antwortet die Stadtverwaltung, dass das Sache der Kassenärztlichen Vereinigung wäre, auf deren Homepage www.kvs-sachsen.de die freien Hausarztstellen zu finden wären. Die CWE würde mit verschiedenen Formaten laufend Werbung auf diese Seite schalten und diese auch bezahlen.

Auf der durch die CWE beworbenen altmodischen Webseite der KVS Sachsen sind aber diese vielen freien Hausarztpraxen gar nicht zu finden. In der dortigen Praxis- und Stellenbörse gibt es genau eine freie Hausarztpraxis und zwei, die in den kommenden Jahren frei werden. Auf chemnitz-zieht-an.de findet man dafür ganz viele freie Stellen für Mediziner in Lichtenstein, Hartmannsdorf und Mittweida.

Zusammenfassend kann man sagen: Wir steuern weiter auf ein massives Hausarzt-Defizit zu. Die CWE bewirbt mit Veranstaltungen und teuren Anzeigen seit zwei Jahren eine Webseite, wo gar keine freien Stellen zu finden sind und wirbt stattdessen selber für freie Stellen im Umland. Gleichzeitig verkünden die Parteien, deren Aufsichtsräte die CWE kontrollieren sollen, man würde nach der Wahl etwas für die Verbesserung der medizinischen Versorgung tun. Leute, wacht mal auf. Die CWE bekommt jedes Jahr knapp 2 Millionen aus der Stadtkasse, wobei laut Bundesanzeiger 95.000 Euro an den Geschäftsführer gehen.

Ursprünglich auf Facebook am 14.05.2019 veröffentlicht.