Denkmal an der Annaberger trotzt dem Abriss
Totgesagte leben länger: Wie der eine oder die andere vielleicht schon bemerkt haben, ist die Straßensperrung an der Annaberger Str. 110 verschwunden und das denkmalgeschützte Haus steht immer noch. Die Stadtverwaltung hatte vor über einem Jahr verkündet, die rechte Haushälfte nach jahrzehntelangem Nichtstun des ursprünglichen Eigentümers "Freistaat Sachsen" auf Kosten der Stadt für 53.000 Euro abreißen zu lassen.
https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2018/103.html
Der Abrissbagger stand schon und "vorsorglich" wurden auch die schönen Geländer und historischen Türen von Unbekannten geklaut. Eine Sicherung des Gebäudes wurde von den "Fachleuten" im Bauamt auf 384.000 Euro "geschätzt" und damit totgerechnet.
Das wollten einige Stadträte und der Eigentümer der linken Haushälfte nicht hinnehmen. Nach monatelangen Hin und Her mit der Stadtverwaltung wurde schlicht keine Einigung erzielt und nun hat der Nachbar hat das Gebäude in Eigenleistung gesichert (innen verspannt und die Giebel angeschraubt, zu erkennen an den vielen Platten an der Fassade) und wartet auf die Zwangsversteigerung, um das Denkmal zu ersteigern und dann mit seiner Haushälfte zusammen zu sanieren. Meine Hochachtung vor diesem mutigen Schritt.
Ich erinnere mich recht gut an die Sitzung im Bauausschuss, wo einige ahnungslose Stadträte die Einschätzungen der Verwaltung völlig unkritisch übernahmen, dafür Einschätzungen des Investors in Zweifel zogen und den Abrissgegnern sogar unredliche Interessen unterstellten und vorher (wieder mal) mit dummen Äußerungen in der Presse auffielen.
https://www.freiepresse.de/chemnitz/nun-doch-kulturdenkmal-wird-abgerissen-artikel10277377
Nach 200 abgerissenen denkmalgeschützten Gebäuden in den letzten 20 Jahren (davon über 140 durch die GGG) muss endlich mal Schluss sein mit dem Einschlagen des für die Verwaltung einfachsten Wegs des Abrisses zulasten des Stadtbilds und den unsauberen Methoden, durch welche das gerechtfertigt wird.
Ursprünglich auf Facebook am 07.04.2019 veröffentlicht.