Chemnitz wächst vor allem auf Papier
Die Pressestelle schreibt "Chemnitz wächst auch 2018 weiter" und meint mit "Wachstum" offensichtlich eine leicht ansteigende Einwohnerzahl (+299), die auf den freiwilligen bzw. zum Großteil unfreiwilligen Zuzug ausländischer Mitbürger zurückzuführen ist, welche sich vornehmlich in den innenstädtischen Stadtteilen niederlassen bzw. dorthin zugewiesen werden. Wenn nicht irgendwo der nächste Krieg ausbricht und Flüchtlinge nach Chemnitz treibt, wird die Entwicklung in 2019 voraussichtlich stagnieren und ab 2020 wird wieder mehr gestorben als zugezogen. Das ist kein Wunder, obwohl Prognosen das Gegenteil versprechen (und falsch liegen, sonst wären es keine Prognosen). Wenn eine Stadtpolitik die Kulturszene weiter auf Sparflamme fährt, Wirtschaftsförderung mit dem Produzieren schöner Bilder von Eliten verwechselt, Digitalisierung als Gefahr sieht und bürgerschaftliches Engagement zur Höchstleistungen treibt, um dann den Engagierten das Wasser abzudrehen, ist sie eben wenig oder gar nicht attraktiv und sowas spricht sich rum. Ans Tageslicht tretender Extremismus, Engstirnigkeit und Kontrollwahn sind dann nur noch das braune Sahnehäubchen. Die gut gemeinten und hunderte Millionen teuren Kitas und Schulen stehen dann nach paar Jahren wieder leer, wenn sie überhaupt jemals gebaut werden. Da helfen auch keine Marketingkampagnen, keine Kulturhauptstadt und auch kein "Hier gibt es viel Platz"-Versprechen. Wenn Spielraum beim Denken und Handeln fehlt, bleibt leerer Raum leer. Die kreativen Talente und die Macher/innen gehen dort hin, wo es echten Gestaltungsraum gibt, wo aus einer Szene Unterstützung und Vernetzung kommt und wo Leistung honoriert und akzeptiert wird. Es fehlt seit Jahren eine Vision, eine Strategie und gezielte Maßnahmen, um solche Denk- und Handlungsräume zu schaffen. Das muss aus der Stadt heraus kommen und nicht von Werbeagenturen oder einkauften Beratern. Dazu bedarf es Vertrauen, Offenheit, Fleiß, finanzieller, organisatorischer Unterstützung und vor allem kluger Menschen, die man nicht ständig vor den Kopf stoßen sollte. Sonst zieht Chemnitz weiter weg statt an.
https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2019/15.html
Visualisierung: FOG-Institut
Ursprünglich auf Facebook am 12.01.2019 veröffentlicht.