Hochglanz rettet kein Stadtimage
In der heutigen Tagespresse liest man großes Geheul der Stadtverwaltung, dass das über 28 Jahre teuer erkaufte "Image" von Chemnitz den Bach runtergeht. In anderen Interviews stimmen Stadträte und die Wirtschaft ins Lamento ein.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie 2014 eine große Runde aus eben jenen Vertretern der Stadtratsfraktionen, Organisationen und der Verwaltung tagte und Werbeagenturen verschiedene Konzepte zur Imagebildung vorstellen durften.
Es gab zwei konkurrierende Ansätze, der eine sollte die Verwaltung ändern und nachhaltig positiv von innen heraus wirken und Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern schaffen, positiv über die Veränderungen zu reden. Der andere Ansatz war eine aufgesetzte Hochglanzkampagne. Die Mehrheit des Runde tendierte dazu, die Verwaltung möge von innen heraus strahlen. Die Oberbürgermeisterin entschied sich letztendlich gegen die Mehrheit für Hochglanz.
Dann durften sich Bürgerinnen und Bürger "bekennen", man durfte online "mitnischeln", sich "entfalten", man wollte "über Liebe reden". Kurzer Check der Webseite www.die-stadt-bin-in.de ergibt, dass sich nach einem wenige Monate dauernden Strohfeuer (bzw. dem Geld-Verbrennen einer sechsstelligen Summe) das "Mitnischeln" bereits Ende 2014 Geschichte war, es seit über 3 Jahren keine Bekenntnisse mehr zur Stadt gibt und lediglich die "Macher der Woche" noch redaktionell gepflegt werden. Die Seite hochglänzt oberflächlich vor sich hin.
Diesen Aktionismus gibt es übrigens in Millionenteuer als Kampagne des Freistaats unter www.so-geht-saechsisch.de - teilweise tolle Informationen, abgeschoben auf eine Seite, die ohne teure Werbung niemand kennt. Die Integration in die Webseiten chemnitz.de und sachsen.de erfolgt ebenso wenig, wie die Integration in die Köpfe der Verantwortlichen. Hauptsache die Bürgerinnen und Bürger fangen endlich mal an, die von oben verordnete Liebe für Stadt und Land zu empfinden.
Nun wundert man sich, warum sich unzufriedene Bürgerinnen und Bürger zwischen Rechtsextreme und Hooligans mischen und Rattenfängern nachlaufen.
Ein Herumreisen zu Diskussionsrunden und Workshops mit 0,001% Interessierten bzw. den üblichen Verdächtigen wird das Problem nicht lösen. Wie wäre es denn mal mit ungeschönten und gut erklärten Inhalten, kleinteiliger Arbeit und besserer finanzieller und organisatorischer Unterstützung der kleinsten Strukturen, die sowieso gerade die "Drecksarbeit" machen müssen?
Ursprünglich auf Facebook am 29.08.2018 veröffentlicht.