Chemnitz ist eine Stadt der Macher. Deshalb gilt es bereits bei den Jüngsten diese Macher-Mentalität zu wecken. Ein erster Schritt ist die internationale Mitmach-Messe Maker Faire, die auf meine Initiative hin als Zusammenarbeit zwischen Kreatives Chemnitz und dem Industrieverein jährlich weiterentwickelt wird. Weitere Formate einer neuen Bildungskultur werden folgen, um den Nachwuchs für Technik, Naturwissenschaften und Kunst zu begeistern. Statt schwerer Schulbücher auf Schülerrücken bringen in Zukunft spannende digitale Lerninhalte die Handys zum Glühen. 

Chemnitz muss eine starke Voll-Universität im Herzen tragen, denn tolle technische Produkte brauchen gesellschaftliche Relevanz, ein überzeugendes Design und beste Vermarktung. Studierende müssen frühzeitig in Kontakt mit der Wirtschaft der Region kommen und talentierte Menschen mit attraktiven und gut bezahlten Arbeitsplatzangeboten gehalten werden. Aber auch geringer Qualifizierte müssen integriert werden. Es gibt genug Arbeit für alle. Die Wirtschaftsförderung wird die Vermittlung als konkrete Aufgabe übernehmen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Startup-Kultur. Ich unterstütze bereits Startup-Initiativen wie Saxeed, um z.B. erfolgreiche Unternehmen im Bereich automobiler Hard- und Software an den Start zu bringen und studentische Arbeitsgruppen im Bereich Wasserstofftechnologie, wo junge Leute ihren Erfindergeist spielen lassen können. Augenmerk gilt auch der Ausbildung in Industrie und Handwerk, die in Chemnitz angesiedelt bleiben und ausgebaut werden muss, da sie nur dort die volle Wirkung für die gesamte Region entfalten kann. Es wird ein städtisches Unterstützungsprogramm für Startups aus allen Bereichen geben. Chemnitz ist mehr als eine Industriestadt, Chemnitz ist auch Stadt der Dienstleistung, des Handwerks und der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Chemnitz wird einen digitalen Zwilling bekommen, denn nur wenn die Möglichkeiten aus Forschung und Entwicklung, die Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen, Kultur und Sport digital und mehrsprachig sichtbar werden, spielt Entfernung keine Rolle mehr. Dadurch entsteht eine neue positive Wahrnehmung in den Stadtteilen, in der Region und international. Die Verwaltung wird hier zügig und mit positivem Beispiel voran gehen und alle Dienste auf Vereinfachung trimmen und auch digital anbieten. Die notwendige Erfahrung bringe ich nach über 20 Jahren als Berater und Umsetzer von Digitalisierungsprojekten bei großen internationalen Unternehmen und Bildungseinrichtungen mit.

Chemnitz muss das Potential seiner Infrastruktur erschließen. Gewerbegebiete und Platz in Technologiezentren sind knapp, während anderseits 8% der Stadt aus Brachflächen besteht. Es müssen strategische Zwischenkäufe erfolgen und Gewerbeflächen erschlossen werden, um einer weiteren Zersiedelung und Bebauung der grünen Wiese vorzubeugen. Wenn es die Immobilienwirtschaft nicht tut, muss die Stadt hier in den Zwischenerwerb gehen. Der Ausbau von Technologiezentren, Coworking-Spaces und FabLabs muss unterstützt werden. Ich habe selbst als Gründer im TechnologieCentrum begonnen und unterstütze seit mehreren Jahren junge Gründer im ersten Coworking-Space von Chemnitz. 

In der Verwaltung wird eine moderne Managementkultur Einzug halten und ein grundlegender Wandel in der Haltung beginnen. Vertrauen und Fortschritt entsteht nicht durch Sonntagsreden, sondern durch Handeln. Wirtschaft wird nicht zu einer weiteren Chefsache, sondern zur Sache aller gemacht. Verwaltung und städtische Unternehmen müssen agil und kundenorientiert handeln und fair mit Partnern und Lieferanten umgehen. Dazu gehört der Einsatz qualifizierter Mitarbeiter und deren regelmäßige Weiterbildung. Es wird deshalb ein Weiterbildungsprogramm zum Thema Wirtschaftsförderung für alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung geben.

Für den wirtschaftlichen Fortschritt ist auch ein besserer Blick in die Region um Chemnitz notwendig. Dort gilt es, wichtige Ressourcen viel besser mit den Nachbarn zu bündeln. Wir sind nur als Region stark. Chemnitz darf und soll in der Wirtschaftsregion eine führende Rolle einnehmen. Die ist jedoch auch mit Pflichten verbunden. Dafür braucht es einen ehrlichen Blick auf die eigene wirtschaftliche Situation und den Willen zur Zusammenarbeit. Chemnitz als reine Industriestadt – das war einmal. Chemnitz als innovativer, attraktiver, gut vernetzter Standort – das kann kommen.

Chemnitz braucht Ausgehmöglichkeiten, eine vitale Kulturszene und eine bürgernahe Sportkultur, denn wo gearbeitet und gelernt wird, will auch gefeiert und entspannt werden.

Kultur dient nicht nur der Unterhaltung, sondern ist gesellschaftlicher Entwicklungsmotor und Experimentierraum, wo zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen vorausgedacht und verhandelt werden. Kultur ist vor allem Bildung. Kultur muss deshalb alle erreichen und Kunst darf auch unbequem sein. Die Freie Kulturszene mit ihrer Vielfalt und ihrer Verankerung in unterschiedlichen Stadtteilen leistet dies bereits und verdient deshalb mehr Unterstützung, die Weiterentwicklung und nicht nur Bestandserhalt ermöglicht. Kulturmittel müssen den talentierten Menschen für gesellschaftliche Projekte zur Verfügung stehen und dürfen nicht der Rendite städtischer Prestige-Immobilien dienen. An Entscheidungen über die Kulturentwicklung müssen die Kulturschaffenden in einer aktiven Rolle eingebunden sein. Die Stadt muss Festivals unkompliziert ermöglichen und nicht alles selber machen. Die Entwicklung von Lern- und Kulturorten muss unterstützt und deren Schutz gewährleistet werden. Insbesondere bei den Themen Lärm, Brandschutz und Bau wird die Stadtverwaltung in Zukunft statt Auflagen Expertise einbringen, um Konflikte und teure Fehlentwicklungen zu vermeiden. Kunst am Bau und auf öffentlichen Plätzen wird in Zukunft Berücksichtigung finden.

Genauso trägt der Sport als Kulturleistung zur gesellschaftlichen Entwicklung und zum Miteinander bei. Menschen kommen zusammen und probieren sich gemeinsam aus. Sie wetteifern friedlich darum, wer ein Spiel gewinnt. All das schult frühzeitig Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Prozesse, die in einer Demokratie wichtig sind. Hier muss mehr getan werden, damit Sportstätten instand gehalten werden und für Vereine gleichberechtigt zugänglich sind. Es fehlen Wasserflächen und Sporthallen. Bei Bauprojekten erfolgen regelmäßig extreme Kostenüberschreitungen. Hier sind unbedingt Firmen einzubinden, die fertige Bauprojekte aus dem Katalog verkaufen, um in Zukunft 5-10fach so teure Eigenplanungen zu vermeiden. Die Vergabe von Sportstätten muss flexibler und digital erfolgen, um vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. Breitensport erfordert wie Spitzensport sehr gute Trainingsbedingungen, damit daraus neue Talente wachsen können. Hier muss unkpmpliziert ein gemeinsamer Ressourcenpool geschaffen werden, damit nicht jeder Verein eigene Netze und Ausrüstung kaufen muss.  Marketing-Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung müssen gefördert werden, ebenso die Außenwirkung und Auswärtsaktivitäten der einzelnen Vereine, die bestes Stadtmarketing sind und deshalb auch von der Stadt unterstützt werden müssen.

Städtischen Kultureinrichtungen, wie das Theater und die Kunstsammlungen, müssen sich mehr in die Stadtgesellschaft öffnen und partnerschaftlich mit freien Trägern und Kulturakteuren in den Stadtteilen zusammenarbeiten. Chemnitz muss als kulturelles Oberzentrum auch der Region ein kulturelles Angebot machen. Es gilt deshalb, die Angebote der freien und städtischen Kultureinrichtungen in der Region und darüber hinaus bekannt zu machen. Dazu müssen die Einrichtungen eine Marketing-Unterstützung erhalten, die das ermöglicht (Kulturverteiler). Die städtischen Einrichtungen müssen zudem ihren Beitrag zur schulischen Bildung leisten, neue digitale Lerninhalte bereitstellen und neue Lernorte neben gut instandgehaltenen Schulen sein.

Initiativen wie die Kulturhauptstadt dürfen kein Selbstzweck sein, sondern sind als Werkzeug für kulturelle, sportliche, gastronomische und wirtschaftliche Weiterentwicklung zu nutzen. Sinnvoll war der Weg zur Bewerbung, da dieser eine Planung und ein Bekenntnis zur Kultur erfordert und dabei erstmal viele Defizite offenlegte. Die Bewerbung wird voraussichtlich viele enttäuschen, die ihre Ideen nicht wiederfinden. Deshalb ist die Kulturhauptstadt nur ein Baustein der Kulturentwicklung der Stadt, der nicht die komplette Stadtverwaltung lahmlegen oder Ehrenamtler von freien Kulturprojekten abziehen darf. Die städtischen und freien Strukturen der Stadt müssen in die Lage versetzt werden, die Kulturhauptstadt in Eigenverantwortung zu stemmen.

Wir werden in Zukunft nicht mehr die Augen vor Problemen verschließen. Es gilt, Chemnitz für alle zu einer hoffnungsfrohen und lebenswerten Stadt zu machen. Wir werden über Armut von Kindern und Armut und Einsamkeit von Älteren sprechen. Wir werden feststellen, dass ein großer Teil der Chemnitzer Bevölkerung betroffen ist. 

Es gibt sehr viele Kümmerer, die Probleme wälzen und schieben müssen, aber nur wenige, die Ursachen angehen können. Wir werden Ursachen behebenDas soziale Umfeld muss bei der Früherkennung psychischer, gesundheitlicher oder finanzieller Probleme wachsam sein und in Zusammenarbeit mit den freien Trägern der Wohlfahrtspflege Maßnahmen einleiten, bevor es zu spät ist. Es gilt deshalb, Projekte zu fördern, die das soziale Miteinander in den Stadtteilen stärken und die Menschen Verantwortung füreinander übernehmen lassen. Das Problem der Unterbeschäftigung oder unzumutbaren Mehrfachbeschäftigungsverhältnissen muss mit der Wirtschaft gelöst werden. Teilhabe muss auch im Stadtraum möglich sein, der barrierefrei gestaltet sein muss. Städtische Informationen müssen für jeden verständlich aufbereitet und mit dem notwendigen Hintergrundwissen angereichert werden. Bildungsinhalte für Schulen müssen auch vermitteln, wie man einen Kreditvertrag abschließt, was bei einem Mietvertrag zu beachten ist oder wie man Altersvorsorge berechnet. Bildung schützt vor Armut, auch wenn damit Armut nicht verhindert werden kann.

Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe und ist in den Stadtteilen gleich zu leisten. Es kann nicht angehen, dass Menschen Zuwanderung fordern, sich aber gleichzeitig der damit verbundenen Problemstellungen entledigen und die Integrationsleistung in wenige Stadtteilen wie das Zentrum oder den Sonnenberg auslagern. Integration wird wesentlich getragen von Bildung und Arbeit. Wir müssen in den Schulen für ein ausgewogenes Verhältnis beim Anteil von Kindern von Geflüchteten achten. Zusammen mit der Wirtschaft müssen Arbeitsgelegenheiten geschaffen und Eigenverantwortung gestärkt werden. 

Es gibt keinen Ärztemangel, sondern ein mangelhaftes Angebot an attraktiven Stellen in der Medizin. Die vierzig nicht besetzten Hausarztstellen müssen überhaupt erst einmal bekannt gemacht werden, ebenso die Stellen für Fachärzte. Auf chemnitz-zieht-an.de und bei der Kassenärztlichen Vereinigung sind diese nicht zu finden. Ausländische Ärzte dürfen nicht mehr durch die Ausländerbehörde als formellen Gründen weggeschickt werden und junge Leute brauchen hier einen Studienplatz und nicht in Ungarn, wie es die Kassenärztliche Vereinigung empfiehlt. Wir müssen für gute Arbeitsbedingungen für Mediziner sorgen und attraktive Angebote aussprechen. Dann finden sich auch talentierte Menschen. 

Zur Grundversorgung gehört auch der Katastrophenschutz. Die Wirksamkeit der Hochwasserschutzmaßnahmen muss durchgängig geprüft werden. Die Corona-Maßnahmen gehören auf den Prüfstand, denn weder Verwaltung noch Bildungseinrichtungen können sich dauerhaft von der Bürgerschaft abschotten, während andere täglich an vorderster Front helfen müssen.

Ja, es gibt in Chemnitz Kriminalität. Ja, die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Chemnitz ist mit Blick auf die offizielle Statistik noch eine sichere Stadt. Doch viele empfinden das anders und nahezu täglich gibt es Vorfälle, die dieses Gefühl bestätigen.

Was hilft? Ein zielgerichteter Einsatz der Stadtpolizei nicht nur bei Tag. Gerade nachts ist ihr Einsatz nötig, um die Landespolizei von Aufgaben wie der Bearbeitung von Ruhestörungen und Streitereien zu entlasten, damit sich diese um die Verfolgung von Drogendealern und Schwerkriminellen kümmern kann. 

Zum einen müssen wir es schaffen, auch über solche Themen transparent zu sprechen. Alles andere ist nur ein Nährboden für Spekulationen. Vieles wird jedoch lieber verschwiegen, um den Ruf von Chemnitz nicht noch mehr zu gefährden. Wir haben aber ein Problem mit der Billigdroge Crystal. Lange Zeit gab es im europäischen Vergleich in unserer Stadt die höchsten Rückstände dieser Droge im Abwasser. Wir haben außerdem ein Problem mit Wohnungsprostitution, auch von Minderjährigen. Ein rechtsfreier Raum, in den sich die Stadt dringend einmischen muss. 


Wir brauchen zudem einen anderen Umgang mit Zuwanderern, die in unsere Stadt kommen oder uns vom Bund zugewiesen werden. Junge Männer mit Arbeitsverbot jahrelang in Sammelunterkünften abzuladen, schafft den Nährboden, der gerade die leicht beeinflussbaren von ihnen zu Drogenkonsumenten und später vielleicht zu Dealern macht. Hier gilt es, seitens der Verwaltung Ermessensspielraum sinnvoll zu nutzen. Es gibt genügend Arbeit, vor allem, wenn man sich den Zustand von Straßen, Fußwegen und Grünflächen anschaut. Wer faul oder kriminell ist, wandert in Städte, die nichts fordern und alles schönreden.

Was Ordnung angeht, muss mehr an die Verursacher der Unordnung herangetreten werden. Wer seinen Marktstand so verlässt, dass hinterher die Kehrmaschine die Besucher gleich mit aus der Stadt kehren muss, handelt gegen die Marktordnung. Wer Gebäude verwahrlosen lässt, muss frühzeitig herangezogen werden und nicht erst, wenn das Gebäude auf die Straße fällt. Wer in einigen Stadtgebieten mit Parkdruck sein Auto einfach quer auf den Gehweg stellt oder seinen Zweit- und Drittwagen kaum benutzt und anderen die Parkplätze blockiert, wird zahlen müssen. Eigentum verpflichtet.

Chemnitz ist eine Autostadt und wird das auf absehbare Zeit auch bleiben. Bei einer Fläche fast so groß wie Leipzig, aber weniger als der Hälfte der Einwohner, ist das Auto unabdingbar. Die Menschen kaufen sich kein Auto, weil sie zu viel Geld haben, sondern weil der tägliche Arbeitsweg, das Einkaufen oder der Transport von Kindern oder Älteren in vernünftiger Zeit nicht anders zu leisten ist.

Gelegenheitsnutzer müssen über Carsharing-Angebote von der Anschaffung eines eigenen Autos entlastet werden, die in anderen Großstädten bereits etabliert sind. Carsharing-Anbieter sollten über die Garantie einer wirtschaftlichen Grundauslastung durch die Stadtverwaltung und städtische Tochterunternehmen gewonnen werden sowie Parkplätze für die Fahrzeuge erhalten. Damit sinken die Kosten für die Unterhaltung eines städtischen Fuhrparks. Ins Kalkül sollten in Zukunft selbstfahrende Fahrzeuge gezogen werden. Das wird in Zukunft feste Strecken überflüssig machen. Hier können wir zusammen mit der Chemnitzer Wirtschaft und Wissenschaft Vorreiter sein.

Ein flächendeckendes Angebot von öffentlichem Nahverkehr, dass allen gerecht wird, ist nicht finanzierbar. Es gilt Strecken zu prüfen, die stark befahrene Routen vom Autoverkehr entlasten und Menschen von der Anschaffung eines Autos befreien. Die geringe Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs von derzeit 20% ist weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar. Hier muss durch geeignete Marketingmaßnahmen und vor allem einer regelmäßigen Befragung der Nicht-Kunden ein attraktives Angebot geschaffen werden. Nur mit höherer Auslastung können die Preise sinken. Routen ohne Auslastung müssen eingestellt werden und durch flexible Angebote, wie Rufbusse ersetzt werden, die z.B. ältere Menschen auch direkt an der Haustür abholen können. 

Die schönsten Radwege führen nicht an Hauptstraßen entlang, sondern in zweiter Reihe und durch Grünanlagen. Im radial angelegten Chemnitz sind Fahrrad-Querverbindungen zudem schneller als der Umweg mit dem Auto. Zuerst gilt es aber, vorhandene Wege instandzusetzen und Barrieren abzubauen.

Wir brauchen keinen elektrifizierten ICE, der aller zwei Stunden nach irgendwo fährt. Wir brauchen Fernbahn- und Flughafenzubringer, die schnell und zuverlässig nach Leipzig, Dresden und Berlin und zurück fahren. Dort besteht eine viel größere Auswahl an Fernverkehrs- und Fluganbindungen, als dass der Chemnitzer Hauptbahnhof je leisten könnte. Derzeit leistet das nur die Bahn, mit der durch den Verkehrsverbund entsprechende Verträge geschlossen werden müssen. Das ist kurzfristig möglich. Ziel müssen zudem Fahrtzeiten von maximal 40 Minuten in die benachbarten Großstädte sein. Das ist mit moderner Technik und guten Schienen leistbar.   

Es ist erfreulich, dass so viel gebaut wird. Was allerdings stört, dass kaum jemand hinter all den vielen Absperrungen arbeitet und dass dies offensichtlich niemand kontrolliert. Bauprojekte müssen zügig abschlossen werden. Insbesondere auf Hauptverkehrsstraßen muss gearbeitet und nicht nur abgesperrt werden. Wichtig ist auch die Vermeidung von unnötigem Verkehr, z.B. weil die Wunsch-Kita am Arbeitsplatz nicht mehr frei war oder man wieder einmal zum Amt muss und die Vermeidung von unnötigen Wartezeiten durch eine intelligente Verkehrssteuerung.

Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben zu einer Spaltung der Stadtgesellschaft geführt. Diejenigen ganz links und ganz rechts sagen laut, was sie wollen. Doch es gibt eine breite Mitte, die schweigt. Viele von ihnen sind traurig darüber, wie es heute um ihre Stadt steht. Sie fühlen sich nicht verstanden. Chemnitz leidet unter diesem gestörten Selbstbewusstsein. Ich persönlich möchte mich aber nicht länger dafür erklären müssen, dass ich aus Chemnitz komme.

Wir müssen gemeinsam mit den Bürgern Lösungen finden. Die Stadt kann auf talentierte Menschen mit guten Ideen bauen. Dazu braucht es zum einen eine andere Haltung der Stadtverwaltung, welche die Bürger viel umfassender informieren muss. Wir müssen in Chemnitz mehr Transparenz ermöglichen, um die, die hier leben, in Entscheidungen einzubeziehen. Das erfordert ganz andere Informations- und Kommunikationsprozesse als sie heute in der Stadt Chemnitz an der Tagesordnung sind. Weil ich mich genau damit beruflich auskenne, sehe ich großes Potenzial in solch einer Veränderung.

Wir sollten weg von der Kultur der Problem-Kümmerer. Wenn sich jemand über etwas beschweren will, gibt es auch in unserer Stadt genug Anlaufstellen, wo er genau das vorbringen kann. Manchmal gibt es Hilfe von denen, die sich an solchen Stellen kümmern sollen. Wenn nicht, wird darauf hingewiesen, dass die Lösung des Problems außerhalb des Entscheidungsbereichs liegt. Der Kümmerer hört auf sich zu kümmern. Das Problem bleibt. Hier müssen Zuständigkeiten klar geregelt und die Verantwortungsübernahme und Erledigung sichergestellt werden. Der Bearbeitungsstand muss für den Bürger als Auftraggeber jederzeit digital nachvollziehbar sein.

Ich bin überzeugt, dass wir Chemnitzer viel Gutes auf den Weg bringen können. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, uns mehr zu beteiligen, unsere Vorschläge zu Gehör zu bringen und unsere Vision von unserer Stadt gemeinsam gestalten zu können. Nur dann kann sich wieder ein gesellschaftlicher Zusammenhalt entwickeln, der Chemnitz weiterbringt. Und den Chemnitz dringend braucht. Das geht nur, wenn keine Machtpolitik anhand Parteiinteressen gemacht wird, sondern Sachpolitik zum Wohle der Bürgerschaft. Das geht nur gemeinsam mit der Bürgerschaft und Initiativen sind erstzunehmen und zu unterstützen (z.B. Freibad Erfenschlag). 

Ein besonderer Augenmerk sollte auch Altersgruppen zukommen, die nicht ausreichend im Stadtrat vertreten sind. Die Ideen und Entscheidungen eines Jugendparlaments bzw. Jugendlichenbeirats sollten bei der Arbeit des Stadtrats und der Verwaltung Berücksichtigung finden. Mitwirkung muss bereits in der Schule beginnen. Genau wie Schwimmen (wo die entsprechenden Schwimmhallen gebaut werden müssen) muss auf demokratische Mitwirkung erlernt werden. 

Immer mehr Menschen denken darüber nach, wie wir künftig auf diesem Planeten leben und wie wir mit Natur und Umwelt umgehen sollten. Sicherlich werden die großen Probleme der Menschheit nicht in Chemnitz gelöst. Aber auch hier können wir unseren Beitrag dazu leisten, nachhaltiger zu sein. Dabei ist jedoch nicht jeder Schritt richtig und unterstützenswert.

Die Stadt Chemnitz wird aus der Braunkohle aussteigen. Das ist im Hinblick auf die Umwelt und den Menschen von Vorteil und auch wirtschaftlich sinnvoll, da Strafzahlungen für CO2 steigen werden. Aber dafür eine Müllverbrennungsanlage zu bauen, ist nicht die richtige Lösung. Mit mir wird es so ein Vorhaben mitten in der Stadt nicht geben. Stattdessen sollten wir darüber nachdenken, wie Rohstoffe sinnvoller und besser verwertet werden und Restmengen einer Gaserzeugung zugeführt werden können.

Auch das Thema Erneuerbare Energien kann uns dabei helfen, die Umwelt nicht zusätzlich zu belasten. Es gibt in Chemnitz noch genug Dachflächen, die für Solarenergie genutzt werden oder begrünt werden können. Auch die Biogaserzeugung und Holzvergasung muss in der Zukunft der Stadt eine wichtige Rolle spielen. Wir sollten uns vor neuen Entwicklungen in diesem Bereich nicht verschließen, sondern genau prüfen, was davon umsetzungswert ist. Langfristiges Ziel wird eine Wasserstoff-Zukunft sein, die auch enormes Potential für die Chemnitzer Wirtschaft und Wissenschaft bietet. Diese Themen müssen als Bildungsinhalte Chemnitzer Schulen und Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Zur Nachhaltigkeit gehören nicht nur Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Es geht auch um die Menschen. Die Stadt ist der Raum zwischen den Gebäuden – und der sollte mit Leben gefüllt werden. Viele Leute haben gute Ideen, die das gesellschaftliche Miteinander bereichern können. Aufgabe einer Verwaltung sollte es sein, solche Initiativen zu unterstützen, statt zu verbieten. Eine Heimat wird erst zu solch einer, wenn wir sie zusammen gestalten können. Denn das trägt zum Wohlbefinden aller bei.

Der Stadtkämmerer hat es bislang jedes Jahr geschafft, 30-60 Millionen nicht in sinnvolle Dinge wie Instandhaltung oder die Stadtentwicklung zu investieren, sondern zu „sparen“. Mittlerweile liegen die Rücklagen der Stadt im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Die Baupreise steigen und die Stadt bekommt immer weniger für das kaum verzinst zurückgelegte Geld. Die beste gesellschaftliche Rendite bringen Investitionen! Das Finanz- und Projekt-Controlling der Stadt muss aktueller und besser werden, Geld muss zum Wohle der Stadt und der Bürgerschaft investiert und optimalerweise mit Fördermitteln gehebelt werden.

Ich vermisse eine Innenstadt, die der Metropolregion von 1,5 Millionen Menschen angemessen ist. Die Innenstadt beginnt am Tuffner/Reichsstraße und reicht zur Aktienspinnerei, Brühl, Bahnhof und Sonnenberg. Dazwischen muss Flanierqualität entwickelt werden. Dann lässt man auch mal das Auto stehen und genießt die Stadt. Die Zeiten von Warenhäusern oder Behörden als Frequenzbringer sind lange vorbei. Vielfältige Kultur, spezielle Gastronomie, Bildung und Freizeitangebote müssen Platz innerhalb einer hochwertig gestalteten Innenstadt finden. Der Stadthallenpark muss erhalten werden und darf nicht bebaut werden.

Der teilweise 8-spurige Zentrumsring um die Innenstadt muss verkleinert werden. Das geht durch einen echten Kreisverkehr, wo der Durchgangsverkehr wesentlich flüssiger läuft. Auf den freiwerdenden Flächen können 1.500 kostenfreie Parkflächen, Radwege und verkehrsberuhigte Bereiche entstehen. Das kompensiert die durch Neubauten wegfallenden Parkplatzflächen und verhindert, dass noch mehr Menschen in die Einkaufscenter auf der grünen Wiese fahren.

Die durch vielfach durch Abrisse von denkmalgeschützten Gebäuden gerissenen Baulücken müssen neu bebaut werden. Dazu sind Gestaltungssatzungen erforderlich, um eine zum Stadtbild passende Bebauung zu ermöglichen und eine Beliebigkeit zu vermeiden.

Die Entkopplung zwischen Bauherr, Investor und späterem Nutzer führt mehr und mehr zu Gebäuden mit einfallslosen Fassaden und hässlichen Plätzen. Die Stadt hat hier in den letzten Jahren viel falschgemacht und es Investoren von Billigarchitektur zu leicht gemacht. In Zukunft muss wieder Wert auf Baukultur und Kunst am Bau gelegt werden.

Besondere Entwicklung muss den radial auf das Stadtzentrum zulaufenden Ausfallstraßen ins Umland zukommen, um weitere Lückenbildungen und Ansiedlungen von Gebrauchtwagenhändlern auf Brachflächen zu vermeiden. Großartige Industriearchitektur muss gesichert werden und Investoren gewonnen werden, die sich dieses Erbes mit Herz und Verstand annehmen.

Die Beteiligung an Stadtentwicklung muss in Schulen beginnen und muss auch Ältere mit einbeziehen. Am Ende sind alle Nutzer dieser Stadt und Teilhabe am Stadtleben muss für jeden möglich sein. Die Ortschaften und Stadtteile müssen durch lokale Entscheidungen eine Möglichkeit haben, ihre Entwicklung und Spezialitäten selbst zu bestimmen. Dann wird eine Stadt vielfältig und attraktiv.