Eins Energie verdoppelt die Fernwärmepreise
Der weitestgehend in öffentlicher Hand befindliche Energieversorger eins energie dreht an der Preisschraube für Fernwärme und erhöht den Preis knapp auf das Doppelte. Betroffen sind demnächst ca. 85.000 Wohnungen in Chemnitz und damit ein Großteil der Chemnitzer Bevölkerung, da auslaufende Verträge nur zu neuen Konditionen verlängert werden.
Ein Blick in aktuelle Energiemarktdaten (siehe Screenshots) zeigt: Wenn eins energie jetzt Erdgas für die nächsten 3 Jahre Gas einkauft, so zahlt eins Großhandelspreise von 3,636 - 4,183 Cent pro kWh ohne Steuern und Abgaben. Der Weiterverkauf von Erdgas an Vermieter und Private erfolgt bei preiswerten Anbietern (siehe Verivox) wieder zu ca. 8-9 Cent/kWh inkl. aller Steuern und Abgaben, eins verlangt derzeit ca. 16 Cent/kWh in der Grundversorgung. Die Gaspreisbremse greift erst ab 12 Cent/kWh, insoweit sind Diskussionen um den Wegfall völlig an der Marktwirtschaft vorbei und dienen nur der Gewinnerhöhung von einigen Energiekonzernen wie eins.
Eins hat gerade von Braunkohle auf Erdgas umgestellt, da Erdgas durch den Wasserstoffanteil nur ca. die Hälfte der CO2-Emissionen wie Kohle hat und der Emissionspreis niedriger ist. Die neuen MAN Gasmotoren bei eins machen aus 1 kWh Gas (Börsenpreis 4 Cent, siehe oben) ca. 0,45 kWh elektrische Energie (Börsenpreis netto 10 Cent, Endkundenpreis inkl. Steuern und Abgaben 43,05 Cent in der Grundversorgung) und 0,42 kWh Fernwärme (Endkundenpreis ca. 18 Cent -> siehe Berechnung im nächsten Abschnitt), Umwandlungswerte stammen aus Tabelle auf Seite 27 [1], über ein paar Prozente hin oder her gerne die Experten in den Kommentaren. Das Fernwärme-Preisblatt steht hier [2] online, für Bestandskunden ist es marginal preiswerter.
Bei einem Fernwärme-Mehrfamilienhaus mit z.B. 100.000 kWh Verbrauch und 50 kW Anschlusswert liegt der Preis bei 100.000 kWh x 0,1327 kWh + 50 kW x 95,83 €/kW = 18061,5 € / 100.000 kWh = 0,18 € / kWh => 18 Cent/kWh und damit für den Mieter doppelt so hoch, wie bei Direktversorgung mit Erdgas (lässt man die Kosten für die Anlagenwartung, Schornsteinfeger und Umwandungsverlust außen vor, was aber bei neueren Geräten wenige hundert Euro pro Jahr sind)!
D.h. aus 1 kWh x 4 Cent Einkauf werden mindestens 0,45 kWh x 0,43 €/kWh + 0,42 KWh x 0,18 €/kWh = 27 Cent/kWh für den Endkunden (inklusive Steuern und Abgaben), was fast 7-fach mehr ist als der eigentliche Energieeinkauf. Das hat also nichts mit Ukraine-Krieg, Russland usw. zu tun, da allenfalls der Erdgas-Börsen-Preis von einst 2,5 Cent auf 4 Cent angestiegen ist. Im Wesentlichen trägt eins zusammen mit politischen Steuer- und Abgabenlogik zur Versiebenfachung bei.
Mit extrem hohen Fördermitteln wird zudem das Fernwärmenetz ausgebaut und das Gasnetz zurückgebaut, so dass eins noch mehr zum Monopolist wird. Anpassungen hält man sich auch bei langfristigen Verträgen vor, womit diese wiederum Riesensprünge bei Minipreisänderungen an den Märkten machen.
Da sowohl CDU, als auch SPD, LINKE und GRÜNE als auch Vertreter von Kommunen im Aufsichtsrat sitzen, bin ich auf die weitere Entwicklung und Stellungnahmen gespannt. Schließlich wurde das Unternehmen einst gegründet, um eine zuverlässige und günstige Energieversorgung für die Bevölkerung zu sichern, der das Unternehmen letztendlich gehört.
Vielleicht liege ich auch komplett falsch und habe wichtige Zahlen übersehen oder zu stark vereinfacht. Fakten mit Quellen gern unten in den Kommentaren.
[1] https://www.uvp-verbund.de/documents-ige-ng/igc_sn/F78C26DD-368D-44AC-9EB8-8D31D6FA502B/UVP%20Bericht%20f%C3%BCr%20MHKW%20Chemnitz%20Nord.pdf [2] https://www.eins.de/_Resources/Persistent/a/d/7/b/ad7b77076444074cf6465a71bf6d7a5576c32446/2024_Preisblatt_Fernwaerme_Neukunden.pdf
Ursprünglich auf Facebook am 06.12.2023 veröffentlicht.