Baustellendaten brauchen Qualität statt Webseiten

· Verkehr & Mobilität, Verwaltung & Stadtrat · 3 Min. Lesezeit · Artikel 174 von 492

#Chemnitz #Verkehr #Digitalisierung #FreiePresse

Michael Müller von der Freien Presse hat aufgrund meiner letzten Anregung zu den digitalen Zwillingen der Chemnitzer Baustellen nachrecherchiert und in der heutigen Ausgabe aufgelistet, wo man online die Baustellen und Umleitungen der Stadt Chemnitz bereits findet [1]. Bei dem von mir vorgeschlagenen Google Maps und Apple Karten und in modernen Navigationsgeräten sind nach seiner Recherche nicht alle Baustellen drin. Als Beispiel führt die Freie Presse bildlich eine Vollsperrung der Fürstenstraße an, die auf der "augenscheinlich recht gut gepflegten Karte" des Landes Sachsen [2] nebst imposanter kilometerlanger Umleitung zu finden ist, aber z.B. bei Google Maps nicht auftaucht. Laut Freistaat Sachsen wird da seit 20.7. Fernwärme verlegt.

Bei meiner Überprüfung dieser vermeintlichen Baustelle vor Ort gibt es diese Vollsperrung der Hauptverkehrsachse nebst Umleitung allerdings nicht. Die Fürstenstraße ist frei und Google hat in diesem Fall (noch) recht und die Angaben beim Freistaat Sachsen (und auch bei Apple Karten) stimmen nicht. Im Text der städtischen Webseite wird als Beginn der 28.7. angegeben, beim Anklicken der Baustelle in der städtischen Karte werden aber wieder die Daten vom Freistaat mit dem 20.7. verwendet, so dass auf der städtischen Webseite zwei widersprüchliche Daten angezeigt werden. Wer sich darauf verlässt, fährt bereits seit einer Woche eine sinnlose Umleitung.

Die Herausforderung heißt also Herstellen einer zuverlässigen dynamischen Datenqualität und zeitnahe Meldung an die übergeordneten Portale sowie die vorhandenen Apps und Navigationssysteme und sicher nicht der Neubau einer weiteren städtischen Webseite mit widersprüchlichen Daten. Baustellen verschieben sich, wandern teilweise täglich oder tauchen bei Havarien auch ungeplant auf. Da kommt die Datenpflege durch die Behörden nicht mehr mit. Vor allem in kleineren Nebenstraßen fehlt bei Google und Apple derzeit einiges an Straßensperrungen, wo tatsächlich Baustellen vorhanden sind. Nun ziehen keine Scharen von Mitarbeitern von Kartendiensten durch Chemnitz und kontrollieren, ob die Daten der Stadt und vom Land stimmen. Wer seine Lieblingsbaustelle vermisst und das anderen mitteilen will, kann diese auf seinem Android- oder Apple-Smartphone selbst eintragen. Einfach mit dem Finger lange auf eine Straße tippen und dann auf "Problem melden". Die Sperrung ist dann recht schnell drin. Genauso einfach lassen sich Sperrungen entfernen. Die "Crowd" hat mit bürgerschaftlichem Engagement zusammen mit der "künstlichen Intelligenz" in den letzten Jahren schon einige Geschäftsmodelle obsolet gemacht.

[1] https://www.freiepresse.de/chemnitz/baustellen-infos-im-netz-diese-angebote-gibt-es-bereits-artikel10974936

[2] https://www.list.smwa.sachsen.de/sperr-app-bis/de.novasib.sperr.gwt.app.Bis/Bis.jsp#map;c=355068.63115756,%205633669.983082;z=10

[3] https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/baustellenservice/19203.itl

Ursprünglich auf Facebook am 28.07.2020 veröffentlicht.