Kulturhauptstadt-Bewerbung mit Förderlücke
In einer gut besuchten Veranstaltung wurde heute die Verpackung der Chemnitzer Bewerbung zur Kulturhauptstadt präsentiert, die nun auf dem Weg zur Jury ist. Ende der Woche soll die Bewerbung auch online für jeden abrufbar sein.
Allen Kosten-Kritikern der Kulturhauptstadt sei gesagt, dass die 32 Millionen, welche die Stadt Chemnitz als Eigenanteil ausgeben will, (leider nur) sowieso fällige Infrastrukturmaßnahmen für den öffentlichen Raum sind, die auch ohne Kulturhauptstadt anfallen werden. Der Stadtrat hat die gleiche Summe letzte Woche eben mal so für "ungeplante" Kostensteigerungen von Schulneubauten durchgewunken. Daneben sind Einnahmen von 68 Millionen aus Zuschüssen von Bund, Land, EU und Sponsoren geplant, die in die Stadt hineinfließen. Für den mehrjährigen Bewerbungsprozess hat der Stadtrat 2017 insgesamt 1,2 Millionen Euro freigegeben, von denen unter anderem ein Teil in kulturelle Mikroprojekte fließen.
Spannend wird auf jeden Fall, welche Professionalisierungs-Chancen die Chemnitzer Kulturszene im Fall des Titelgewinns oder auch ohne Titel bekommt. Entwicklungen in diesem Bereich sind nicht zu verspüren, u.a. wird die im Dezember 2018 bestehende Unterdeckung von 1 Mill. Euro für die Weiterentwicklung der Kulturprojekte auch 2019 wieder auf die Tagesordnung kommen, das Optimieren des unsäglich langwierigen Förderverfahrens wurde nicht angegangen und die vom Stadtrat beschlossenen 5% für die freie Kulturszene sind in weiter Ferne. Stattdessen konzentriert man sich derzeit auf wenige Akteure, die Kunst und Kultur als Business sehen und die mit Geld leicht zu steuern sind.
Ursprünglich auf Facebook am 29.09.2019 veröffentlicht.