Bürgerfest erfolgreich, Kasse trotzdem leer
Das von Chemnitzer Bürgerinnen und Bürgern organisierte Bürgerfest als "Ersatz" für das von der Stadtverwaltung "aus Sicherheits- und Imagegründen" abgesagte Stadtfest war mit 67.000 Besuchern (laut Zählung der Polizei), einer Vielzahl an Veranstaltungen und NULL Vorkommnissen ein großer Erfolg. Leider gibt es ein Minus von 50.000 Euro in der Kasse, was durch einen Spendenaufruf ausgeglichen werden soll. Die Verwaltung hat schon verlauten lassen, dass man das nicht unterstützen kann, da die Veranstalter ja 2018(!) keinen Antrag auf Kulturförderung gestellt haben. Das unflexible und mehrfach kritisiertes Verfahren der Chemnitzer Kulturförderung lässt grüßen. Das ist natürlich nur vorgeschoben, da für kurzfristige kulturelle Aktionen der Stadtverwaltung, vorhersehbare und trotzdem ungeplante Mehrkosten bei Bauprojekten oder verschlamperte Instandhaltungen immer irgendwoher Geld beschafft wird. Zusätzlich hat die unterschwellig politische gemeinsame Aktion des DGB und der CWE nebst Getränkeständen am Nischel erheblich vom Bürgerfest profitiert und die Oberbürgermeisterin durfte sogar ins Fernsehen, obwohl sie schlicht gar nichts dazu beigetragen hat, außer dass sie nicht dagegen war.
Falls die neuen Stadträtinnen und Stadträte von ihrer Gestaltungsmacht Gebrauch machen wollen und das Bürgerfest unterstützen wollen, empfehlen sich die 90.000 Euro, die 2019 für sogenannte "Informationsstelen" eingeplant waren, die aber gar nicht aufgestellt wurden (siehe Haushalt Seite 266). Da es die Stadtverwaltung nicht für notwendig hält, den Stadtratsbeschluss von 2016 umzusetzen, sollte das Geld noch übrig sein. Preisgünstige klassische Informationstafeln ohne hohen Stromverbrauch und versiffte Touchoberfläche tun es übrigens auch und sind besser für's Klima und die Gesundheit.
Der Kämmerer wird zwar jammern, dass das eine nicht mit dem anderen verrechnet werden darf, er wird aber sicher einen Umweg finden, indem er die Stelen mit einem teurer gewordenen Bauprojekt verrechnet und dafür dem Bürgerverein einen Zuschuss aus den Zinseinsparungen zukommen lässt.
Spenden sind natürlich trotzdem willkommen.
Ursprünglich auf Facebook am 29.08.2019 veröffentlicht.