Rikscha-Revolution auf dem Sonnenberg

· Verkehr & Mobilität, Stadtentwicklung & Innenstadt, Klima & Umwelt · 4 Min. Lesezeit · Artikel 292 von 492

#Chemnitz #Sonnenberg #Mobilität #Satire

Der neue Fahrrad-Taxi-Service Sonnenrad-Taxi von MarxMobil sorgt derzeit auf dem Chemnitzer Sonnenberg für zufriedene Fahrgäste. Eine Rikscha bringt Fahrgäste ohne Umwege und lange Wartezeiten von A nach B.

Wenn dieses neue Mobilitäts-Angebot angenommen wird, werden demnächst 5.800 lizensierte Rikschas den öffentlichen Nahverkehr ersetzen. Endausbaustufe sind dann 22.700 Gefährte, wodurch sich der Besitz von eigenen Pkws für den Kunden und der Monatskarte für das Fitnessstudio für den lizensierten Fahrer erübrigt. Für ganz eilige gibt es auch Gefährte mit E-Motor-Unterstützung. Die Buchung erfolgt über eine App. Ersten Simulationsberechnungen zufolge halbieren sich Reisezeiten durch Direktverbindungen und ca. 80% der derzeit für Autoverkehr freigegeben Flächen stehen demnächst für Kinderspielplätze, Parks und urbane Verdichtung zur Verfügung. Ampeln, Verkehrszeichen, Parkplätze und Parkhäuser entfallen. Die Einsparungen liegen ersten Berechnungen zufolge für die Stadt Chemnitz bei ca. 55 Millionen Euro jährlich und bei 147,5 Millionen für die Autofahrer, die dann anderweitig im lokalen Wirtschaftskreislauf ausgegeben können. Die Entsiegelung so großer Flächen macht auch Investitionen von ca. 245 Millionen Euro in Abwasserkanäle und Regenüberlaufbecken unnötig, was zu einer nachhaltigen Entschuldung der Stadt beiträgt und dringend notwendige Investitionen im Stadtbild möglich macht. Weitere Einsparungen ergeben sich im Gesundheitswesen. Hier laufen die Berechnungen aber noch.

https://www.tag24.de/nachrichten/chemnitz-marxmobil-rikscha-sonnenberg-fahrrad-umwelt-projekt-kuenstler-1081142

Die Rikscha ist eine Erfindung aus Japan. Die Erfindung war ursprünglich für Europäer in Tokio gedacht, die die engen japanischen Sänften nicht benutzen konnten.

Egon Erwin Kisch schreibt dazu:

"Die Jinrikscha kommt aus Japan, wenn auch ihr Erfinder ein Europäer war. Der Mann, der als erster den Einfall hatte, einem Handwagen einen Stuhl aufzusetzen und diesen Fahrstuhl als öffentliches Verkehrsmittel zu verwenden, war der anglikanische Geistliche Reverend M. B. Bailey, o Segnungen des Westens und der Kirche. Das geschah Anfang der siebziger Jahre [1870er] in Tokio."

"Ein Franzose namens Ménard eilte nach China, nach Schanghai, um eine Konzession für den Rikschaverkehr zu erlangen. Aber die Stadträte der amerikanischen und englischen (später internationalen) sowie der französischen Gemeinde wußten, daß Ersetzung von Tier oder Maschine durch Menschenkraft hierzulande das sicherste Geschäft ist, und dachten gar nicht daran, dem flinken Importeur ein so einträgliches Monopol zu schenken. Sie beschlossen, gegen ansehnliche Steuern zwanzig Lizenzen für je zwanzig Rikschas auszugeben."

"Monsieur Ménard hätte über den Umstand, eine dieser Lizenzen zu bekommen, recht froh sein können, wenn, ja wenn er Geld genug gehabt hätte, die zwanzig Karren herstellen zu lassen. Er hatte es nicht, und so musste er sich mit zwölfen begnügen. Das mißfiel den beiden Stadtverwaltungen, sie wollten jede Lizenz im Interesse ihrer Steuerkasse zwanzigfach ausgenützt sehen. Am 31. März 1875 entzogen sie ihm die Lizenz, ihm dem Pionier der Rikschas, die noch heute, im Zeitalter von Taxi, Privatauto, Autobus, Motorrad und Straßenbahn, der Französischen Konzession jährlich 267966 Tael und dem International Settlement 337030 Tael einbringen!"

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Ursprünglich auf Facebook am 30.05.2019 veröffentlicht.