Ostrale-Deal bringt Chemnitz in Erklärungsnot
Gestern hat die Stadt Chemnitz eilig eine Pressemitteilung herausgegeben, dass man die Entscheidung über die Ostrale bereits im Juni den Stadträtinnen und Stadträten vorlegen will. Es geht um 2,5 Millionen Euro, die für 10 Jahre garantiert werden sollen sowie um xx Millionen (ich schätze 15-30 Millionen), die in den Ausbau des Veranstaltungsorts fließen müssen (wird sicher erst nach Abschluss des Vertrages festgestellt). Dass das frühzeitige Lancieren der von der Oberbürgermeisterin heimlich unterschriebenen "geheimen Absichtserklärung" an TAG24 Gerüchten zufolge von der Ostrale selbst lanciert wurde, um auf die Stadt Dresden massiv Druck auszuüben und dort mehr Fördermittel herauszuschlagen, kommt den verantwortlichen Personen in der Stadtverwaltung Chemnitz leider nicht in den Kopf. Die Ostrale genießt mit 15.000 regulären Besuchern und 10.000 Schüler, die per Schulausflug zugeführt werden, leider nicht den Stellenwert, der gerne nach außen gern kommuniziert wird.
Als Stadtrat finde ich den Prozess extrem unfair gegenüber der Kulturhauptstadt-Mitbewerberin Dresden, die sich seit 2007 um die Förderung der Ostrale bemüht. Wieso veranstaltet man gemeinsame Treffen von Kulturhauptstädten, um gleichzeitig solche Aktionen zu starten und einen großen Schaden für beide Bewerberinnen zu verursachen? Dummheit, Vorsatz oder beides? Auf jeden Fall ein ganz schlechter Stil.
Es bleibt zu hoffen, dass die unterfinanzierte Chemnitzer Festivalszene jetzt nicht nach Dresden abwandert bzw. von dort abgeworben wird. Genügend Mittel sind ja dort durch den Weggang der Ostrale gerade freigeworden.
Die 2,5 Millionen entsprechen ungefähr der Summe, welche die gesamte freie Szene (also alle freien Kulturvereine und Kulturschaffenden von Chemnitz) pro Jahr bekommen. Hier muss die Förderung auch jährlich immer wieder beantragt werden. Sicherheit hat niemand, weshalb auch niemand sichere Jobs schaffen kann. Die einzigen sicheren Jobs gibt es in der Stadtverwaltung.
Ursprünglich auf Facebook am 18.05.2018 veröffentlicht.